Japan Kaiser und Kronprinz

Nach drei Jahrzehnten verlässt Japans Kaiser Akihito endgültig den Chrysanthemen-Thron. Somit ist er der erste Monarch seit rund 200 Jahren, der noch zu Lebzeiten seinem Nachfolger weicht. Am 30. April dankt der 85-Jährige ab, nur einen Tag danach übernimmt sein 59-jähriger Sohn Naruhito.

Dass ein "Tenno", wie der Herrscher in Japan genannt wird, abdankt, ist für die älteste Kaiserdynastie der Welt außergewöhnlich: Das letzte Mal war dies vor zwei Jahrhunderten der Fall. 

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Der Thronwechsel findet nach einem striktem Ritual statt, bei dem unter anderem die kaiserlichen Insignien an Naruhito übergehen. Damit beginnt offiziell auch eine neue Ära: Nach "Heisei", der Ära Akihitos, gilt ab dem 1. Mai "Reiwa", die Ära der "schönen Harmonie".

Herz-OP ließ Akihito umdenken

2016 hatte Akihito sein Land schockiert, als er seinen Wunsch verkündete, sich von seinen Kaiserpflichten zurückzuziehen. Als Grund nannte er sein hohes Alter und seine angeschlagene Gesundheit - zuvor hatte er sich einer Behandlung wegen Prostatakrebses sowie einer Herz-Operation unterziehen müssen.

"Tenno" verlor nach Zweitem Weltkrieg politische Macht

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Eine Abdankung des Kaisers aber war in Japans Nachkriegsverfassung nicht vorgesehen. Deshalb musste er sich zunächst in Geduld fassen. Der Status des "Tenno" in Japan ist ein heikles Thema. Akihitos Vater Hirohito wurde noch wie ein Halbgott verehrt, doch änderte sich das nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem die brutalen, japanischen Feldzüge in seinem Namen geführt wurden.

In der Nachkriegsverfassung unter US-Besatzung verlor der "Tenno" alle politische Macht, er gilt seitdem nur noch als "Symbol für den Staat und die Einheit des Volkes".

Kaiser Akihito galt immer als bescheidener Pazifist

Zu Akihito, der als Elfjähriger die Kapitulation Japans am 2. September 1945 erlebte, passte die neue Rolle gut. Er gilt als bescheiden, jeglicher Herrscherkult ist ihm zuwider. Die pazifistische Verfassung unterstützt er aus vollem Herzen.

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So äußerte er vor Jahren sein großes Bedauern über die von Japan begangenen Gräueltaten im 20. Jahrhundert - während die Regierung die Streitkräfte gerade mit einer neuen Militärdoktrin aufwertete. 

Akihito stand für Volksnähe

Gleichzeitig gelang es ihm und seiner Frau Michiko, die starren Traditionen etwas aufzubrechen und der uralten Monarchie einen wärmeren, volksnäheren Charakter zu geben. Allgemeine Anerkennung bekamen sie, als sie nur zwei Monate nach dem verheerenden Erdbeben, Tsunami und der anschließenden Reaktorkatastrophe 2011 Opfer in der radioaktiv verseuchten Provinz Fukushima besuchten. 

Sohn Naruhito ähnelt seinem Vater sehr

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Akihitos Nachfolger Naruhito ist wie sein Vater ein zurückhaltender Mensch. Er dürfte mit seiner beharrlichen Art den Versuch seines Vaters verstärken, die rigiden Regeln des Kaiserhofs mit der Lebenswirklichkeit seines Volkes und den Bedürfnissen seiner psychisch angeschlagenen Frau Masako in Einklang zu bringen. Diese leidet seit Jahren unter dem Druck, den der Hof auf sie ausübt.

Eine republikanische Bewegung ist in Japan so gut wie nicht existent. Doch Akihitos Abdankung löste erneut eine Debatte um die strengen Thronfolge-Regeln aus: Weibliche Mitglieder des Kaiserhauses sind ausgeschlossen; heiraten sie einen Bürgerlichen, verlieren sie ihren Status als Mitglied der Kaiserfamilie sogar ganz.

Bevölkerung wünscht sich weibliche Thronfolger

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Einziger Thronfolger ist derzeit der zwölfjährige Sohn von Naruhitos jüngerem Bruder Akishino - bekommt dieser keinen männlichen Nachfolger, ist die Dynastie am Ende. In der Bevölkerung ist deshalb die Idee populär, weibliche Mitglieder der Kaiserfamilie an der Thronfolge zu beteiligen.

Traditionalisten, allen voran Ministerpräsident Shinzo Abe und seine konservativen Anhänger, lehnen eine weibliche Erbfolge aber vehement ab. Im ganzen Land sind nun zum Thronwechsel Feiern geplant.

Für die hart arbeitende Bevölkerung fällt er mit der "Golden Week" (Goldenen Woche) zusammen, wenn gleich mehrere Feiertage aufeinander fallen und ein ganzes Land Urlaub hat - nur dauert die Woche dank des Thronwechsels diesmal sogar zehn Tage. 

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 30.04.2019, 5-9 Uhr

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