Haltungs-Label

Sieben Supermarktketten haben sich zusammengeschlossen, um ihre Fleischprodukte einheitlich zu kennzeichnen. Ab April gibt es das vierstufige Siegel "Haltungsform". Wir erklären Ihnen, was dahinter steckt.

Ab April ist in den Filialen der Supermarktketten Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Penny, Rewe und Netto ein neues Siegel auf Fleischprodukten zu finden: die einheitliche Kennzeichnung zur "Haltungsform" der Tiere. Begonnen wird mit dem frischen, verpackten Fleisch im Kühlregal.

Danach sollen Geflügel-, Rind- und Schweineprodukte in den Frischetheken folgen. Die Haltungsform-"Ampel" ist kein neues Siegel, sondern soll die bisherigen Qualitätssiegel einordnen. Das konstatiert Patrick Klein, Pressesprecher des Tierwohlkennzeichnungslabels "Haltungsform".

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Die Haltungsformen:

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Das rote Etikett für "Stallhaltung" ist dabei der niedrigste Standard, aus ihr stammen rund 90 Prozent des Frischfleischs in Deutschland. Es entspricht billigem Discounterfleisch (z.B. "ja") ohne Qualitätssiegel. Es folgen das blaue Etikett für "Stallhaltung Plus", das gelbe Etikett für "Außenklima" und als höchste Stufe das grüne Etikett für "Premium". Durch diese Einordnung sollen die Aufzuchts- und Haltungsbedingungen von Schweinen, Hähnchen, Puten und Rindvieh transparent gemacht werden.

Labels "Haltungform"

Haltungsform 1: Stallhaltung (rotes Label)

Schwein (Mindestanforderung für die Mast)

  • Platzvorgabe: mindestens 0,75 Quadratmeter pro Tier
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Fütterung: keine Vorgabe (damit auch Futter mit Gentechnik möglich)
  • Beschäftigungsmaterial: mind. bewegliche Kette kombiniert mit verändertem Material, wie z.B. Weichholz

Hähnchen und Puten

  • Platzvorgabe: max. 39 Kilogramm Hähnchen pro Quadratmeter, max. 58 Kilogramm Puter pro Quadratmeter und 52 Kilogramm Hennen
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Fütterung: keine Vorgabe (damit auch Futter mit Gentechnik möglich)
  • Beschäftigungsmaterial: ständiger Zugang zu trockener Einstreu, die zum Picken, Scharren und Staubbaden geeignet ist

Jungbullen / Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: für Mastkälber in Gruppenhaltung bis 150 Kilogramm Tiere = 1,5 Quadratmeter, über 220 Kilogramm = 1,8 Quadratmeter.
  • Haltung: keine Vorgabe (damit auch Futter mit Gentechnik möglich)
  • Vorgabe Fütterung: Wiederkäuergerecht (entsprechend Gesetzgebung)
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1
  • Ruhebereich: wenn Liegeboxen vorhanden, dann müssen diese eingestreut sein oder eine Gummiauflage haben

Haltungsform 2: Stallhaltung Plus (blaues Label)

Schwein (Mindestanforderung für die Mast)

  • Platzvorgabe: mind. 10 Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben (0,825 m²)
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Fütterung: keine Vorgabe (damit auch Futter mit Gentechnik möglich)
  • Beschäftigungsmaterial: zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial aus natürlichen Materialien wie z.B. Holz, Sisal oder Naturkautschuk

Hähnchen und Puten

  • Platzvorgabe: max. 35 Kilogramm Hähnchen pro Quadratmeter, für Puten gilt: mind. 10% mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben ( 53 kg/m² Hähne und 48 kg/m² Hennen )
  • Außenklima: keine Vorgabe
  • Fütterung: keine Vorgabe (damit auch Futter mit Gentechnik möglich)
  • Beschäftigungsmaterial: organisches Beschäftigungsmaterial aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie z.B. Stroh, Picksteine. Je angefangener 150 m² mindestens 1 Gegenstand

Jungbullen/Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: bis 150 kg = 1,5 m² | 150-220 kg = 1,8 m² | 220-300 kg = 2,5 m² | über 300 kg = 3 m² pro Tier
  • Vorgabe Fütterung: Wiederkäuergerecht (entsprechend Gesetzgebung)
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1, Tier-Fressplatz-Verhältnis: 1:1
  • Ruhebereich: wenn Liegeboxen vorhanden, dann müssen diese eingestreut sein oder eine Gummiauflage haben
  • Enthornung der Kälber: <6 Wo. durch Landwirt mit Schmerzmittelgabe und Sedierung / >6 Wo. durch Tierarzt mit Betäubung
  • Betäubung
  • Komforteinrichtung: Scheuer-Kratz-Bürste (für Kühe und Färsen)

Haltungsform 3: Außenklima (gelbes Label)

Schwein (Mindestanforderung für die Mast)

  • Platzvorgabe: mind. 40 Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: Außenklimareize; mindestens Offenfrontstall
  • Fütterung: ohne Gentechnik
  • Beschäftigungsmaterial: organisches Beschäftigungsmaterial aus natürlichen Materialien wie Holz, Sisal
  • oder Naturkautschuk; zusätzlich Stroh oder vergleichbares Beschäftigungsmaterial

Hähnchen und Puten

  • Platzvorgabe: max. 25 kg/m² bzw. max. 29 kg/m² (bei einem Stall mit Kaltscharraum), für Puten mindestens 30% mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: Zugang zu Außenklimabereich
  • Fütterung: ohne Gentechnik
  • Beschäftigungsmaterial: mind. zwei organische Beschäftigungsmaterialien aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie z.B. Stroh, Picksteine je angefangener 150 m², für Puten Picksteine je angefangenen 400 m²

Jungbullen/ Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: bis 150 kg = 1,5 m² | 150-220 kg = 2 m² | 220-300 kg = 3 m² | über 300 kg = 4 m² pro Tier
  • Vorgabe Fütterung: Futtermittel ohne Gentechnik; Wiederkäuergerecht
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1, Tier-Fressplatz-Verhältnis: 1:1
  • Ruhebereich: mind. Hälfte des Platzangebots im Laufstall als Liege-/Ruhefläche mit einer Gummiauflage ausgestattet oder Einstreu; Liegeboxen müssen eingestreut sein oder eine Gummiauflage haben
  • Enthornung der Kälber: Enthornung auch bei <6 Wo. alten Kälbern nur durch Tierarzt, mit Betäubung, Schmerzlinderung ist erforderlich
  • Komforteinrichtung: Scheuer-Kratz-Bürste (für Kühe und Färsen)

Haltungsform 4: Premium (grünes Label)

Schwein (Mindestanforderung für die Mast)

  • Platzvorgabe: mind. 100 Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: zusätzlich ständiger Zugang zu Auslauf
  • Fütterung: ohne Gentechnik. Mind. 20% Futter aus dem eigenen Betrieb oder aus der Region.
  • Beschäftigungsmaterial: Stroh oder andere Substrate müssen immer verfügbar sein

Hähnchen und Puten

  • Platzvorgabe: max. 21 kg/m², für Puten mindestens 60% mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben
  • Außenklima: zusätzlich Zugang zu Freigelände während mind. 1/3 der Lebenszeit. Die Fläche muss überwiegend bewachsen sein. Strukturelemente müssen den Tieren Unterschlupf bieten.
  • Fütterung: ohne Gentechnik. Mind. 20% Futter aus dem eigenen Betrieb oder aus der Region.
  • Beschäftigungsmaterial: Streumaterial in Form von Stroh, Holzspänen, Sand und Torf muss auf mind. 1/3 der Stallfläche zur Verfügung stehen. Für Puten mind. zwei organische Beschäftigungsmaterialien aus veränderbarem und sich verbrauchendem Material wie z.B. Stroh, Picksteine je angefangenen 400 m²

Jungbullen/ Ochsen, Färsen, Mastkälber

  • Platzvorgabe: bis 100 kg = 1,5 m² | bis 200 kg = 2,5 m² | bis 350 kg = 4 m² | über 350 kg = 5 m² pro Tier, aber mind. 1 m² pro 100 kg Tier
  • Vorgabe Fütterung: mindestens 60% Futter aus dem eigenen Betrieb bzw. aus der Region. Mind. 60% der Trockenmasse frisches, getrocknetes oder siliertes Raufutter in der Tagesration; Futtermittel ohne Gentechnik
  • Tier-Liegeplatz-Verhältnis: 1:1, Tier-Fressplatz-Verhältnis: 1:1
  • Ruhebereich: mind. Hälfte des Platzangebots im Laufstall als Liege-/Ruhefläche mit einer Gummiauflage ausgestattet oder Einstreu; Liegeboxen müssen eingestreut sein oder eine Gummiauflage haben
  • Enthornung der Kälber: Enthornung nur im Ausnahmefall; auch bei <6 Wo. alten Kälbern nur durch Tierarzt, mit Betäubung, Schmerzlinderung ist erforderlich – bei Bio gemäß EG-Öko-Basisverordnung
  • Komforteinrichtung: Scheuer-Kratz-Bürste (für Kühe und Färsen)

Diese Kategorisierungen sind bindend für die Mitglieder der Initiative "Tierwohl". Weitere Informationen gibt es auf haltungsform.de.

Weitere Informationen

Wer steht hinter der Inititative "Tierwohl"?

Bei der Initiative "Tierwohl" handelt es sich um ein Bündnis von Verbänden und Unternehmen der Land- und Fleischwirtschaft sowie des Lebensmittelhandels. Finanziert wird die Initiative vom Lebensmitteleinzelhandel. Weitere Informationen finden Sie auf verbraucherzentrale.de.

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Sendung: hr1, Koschwitz am Morgen, 1. April 2019, 5 Uhr

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