Patrick Rutishauser auf seinem Motorrad in Marokko.

Patrick Rutishauser aus Münster bei Dieburg machte sich im Januar mit dem Motorrad auf die Reise in Richtung Afrika. Dann kam Corona - und der Zwischenstopp in Marokko wurde länger als geplant. Im Interview mit hr1 erzählt der 41-Jährige, was er auf seinem Trip so alles erlebt hat und wie lange er im Lockdown noch ausharren muss.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hesse im marokkanischen Lockdown: "Man darf nur mit Genehmigung raus"

Patrick Rutishauser in Marokko
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Patrick Rutishauser war bereits auf dem Weg zurück Richtung Europa, als am 20. März im Königreich Marokko eine Ausgangs- und Reisesperre verhängt wurde. Seither hängt er in dem Land fest. Weil er sein Motorrad nicht zurücklassen will, kommt ein Ausfliegen mithilfe der Bundesregierung für ihn nicht infrage. Und nun wurde der Lockdown in Marokko noch einmal bis zum 11. Juni verlängert.

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Seine Erlebnisse hat er in einem Reiseblog zusammengefasst

Seine Zeit vertreibt sich Patrick Rutishauser mit dem Aufschreiben und Filmen seiner Erlebnisse in seinem Reiseblog "Rutis Reisen". Als Fahranfänger auf dem Motorrad war er mit seiner Maschine über Frankreich und Spanien nach Nordafrika gereist. Zurzeit lebt er in der Kleinstadt Oualidia am Atlantik, rund 175 Kilometer südlich von Casablanca. Im Interview mit hr1 erzählt er, was er alles während seiner Reise erlebt hat, wie es sich im marokkanischen Lockdown lebt und was er am meisten vermisst.

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hr1.de: Herr Rutishauser, wie geht es Ihnen aktuell?
Patrick Rutishauser: "Gut soweit, danke. Ich bin gesund, aber so langsam wäre es natürlich schön, mal wieder in Richtung Europa aufbrechen zu können. Geht aber nicht, wegen des Lockdowns und den geschlossenen Grenzen."

Seit wann sind Sie unterwegs und wie sah Ihr ursprünglicher Reiseplan aus?
"Ich bin am 3. Januar losgefahren und war Mitte März schon auf dem Rückweg nach Europa, als die Grenzen geschlossen wurden. Ich wollte ursprünglich Ende April wieder in Deutschland sein."

Patrick Rutishauser macht Halt an einer Oase

Durch welche Länder führte Ihre Reise?
"Von Münster aus bin ich durch Frankreich, Andorra, Spanien und Gibraltar gefahren und habe Mitte Februar die Fähre nach Marokko genommen. Anschließend war ich noch im marokkanischen Teil der Westsahara. Die Strecke habe ich dabei immer spontan entschieden. In Spanien bin ich die Mittelmeerküste hinuntergefahren, in Marokko über die "blaue Stadt" Chefchaouen und die Metropole Fès nach Süden und an der Küste wollte ich wieder hochfahren. Autobahnen habe ich so gut es ging vermieden. Ab und zu war ich auch offroad unterwegs, vor allem in der Sahara."

Warum wollten Sie als Motorrad-Fahranfänger unbedingt auf zwei Rädern auf dieser doch sicher anspruchsvollen Route unterwegs sein?
"Ich habe erst 2019 den Führerschein gemacht und wollte Motorradreisen einfach mal testen. Auf zwei Rädern ist man einfach flexibler, muss sich aber auch gleichzeitig auf weniger Gepäck einstellen und Werkzeug dabei haben, wenn man im Nirgendwo mal eine Panne hat. Bislang hat das aber gut funktioniert, hier und da waren dann aber auch mal meine Kenntnisse als Mechaniker gefragt."

Sie haben sicherlich tolle Eindrücke auf Ihrer Reise gesammelt. Was waren Ihre bisherigen Highlights?
"Sehr gut gefallen hat mir Lyon mit seinen römischen und mittelalterlichen Einflüssen. Ich hatte nichts besonderes erwartet und dann hat mich vor allem die Altstadt sehr positiv überrascht. Auch Alicante war schön, genau wie Gibraltar, Chefchaouen, Tafraoute, die Sahara und das Surfer-Dorf Taghazout. Ich könnte Ihnen etliche Orte und Dinge aufzählen - allein mit dem Moped durch die Natur zu fahren ist schon ein echtes Highlight für sich."

Patrick Rutishauser im Zelt.

Und was lief bislang nicht so gut?
"Ich musste auf meiner Reise des öfteren Zelten, was nicht so mein Ding ist. Manchmal blieb mir auch keine Wahl als wild zu campen, also mitten in der Natur - daran musste ich mich erst noch gewöhnen. Und auch das Offroad-Fahren ist manchmal eine echte Herausforderung für einen Anfänger wie mich. Vom Motorrad gestürzt bin ich auch schon, aber zum Glück nur bei langsamer Fahrt, daher ist nichts passiert."

Die Dachterrasse im Mietshaus von Patrick Rutishauser

Momentan sind Sie in einem kleinen Ort namens Oualidia. Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf dort aus?
"Ich schlafe aus, frühstücke auf der großen Dachterrasse des Hauses, in das ich mich mittlerweile mit anderen Leuten zusammen eingemietet habe und gehe ab und zu einkaufen. Ich koche mir essen und besuche die Nachbarn, das war's. Mit dem Motorrad kann ich nicht herumfahren, da es verboten ist. Hier im Ort wird zwar nicht so streng kontrolliert, doch ich gehe zurzeit tatsächlich nur vor die Tür, um Lebensmittel zu kaufen. In die meisten Geschäfte darf man ohnehin nicht reingehen, Restaurants und Hotels sind zu. Ich habe eine Genehmigung fürs Einkaufen und Maskenpflicht herrscht auch. Momentan ist außerdem Ramadan, daher kann man hier nicht mal ein Bier kaufen gehen."

Kulinarisch hat Marokko laut Patrick Rutishauser einiges zu bieten.

Was vermissen Sie in Ihrer Quarantäne am meisten?
"Ich vermisse die Freiheit, mit dem Motorrad herumzufahren. Und ich würde sehr gerne mal wieder ein Mettbrötchen mit Zwiebeln essen. Aber Schweinefleisch ist hier, wie auch in allen anderen muslimischen Ländern, natürlich tabu. Alternativ gibt es hier sehr leckere Tagine-Gerichte, freitags gibt es traditionsgemäß CousCous. Ansonsten ernähre ich mich von Suppen, Minztee und vielen Teigprodukten.

Wie sieht es mit Ihren Arabisch-Kenntnissen aus?
"Ich spreche nur ein paar Worte, aber zum Kommunizieren mit dem Nachbarn reicht das oft schon aus. Da hier auch Französisch als zweite Amtssprache gesprochen wird, komme ich ab und zu auch mit meinen groben Grundkenntnissen aus."

Kommen Sie gut mit den Einheimischen aus?
"Ja, ich bin hier mittlerweile auch schon sehr bekannt (lacht). Ein Motorrad weckt bei den Einheimischen natürlich auch immer Neugier. Sie sind sehr freundlich und hilfsbereit, viele haben uns sehr unterstützt in dieser doch manchmal schwierigen Zeit."

Wie sähe Ihr nächster Schritt aus, wenn der Lockdown am 11. Juni auch wirklich enden würde?
"Der nächste Schritt ist ungewiss, da es auf die entsprechenden Lockerungen genau ankommt. Irgendwann wieder in Richtung Europa aufbrechen zu können wäre schön. Ausfliegen lassen möchte ich mich nicht, da ich mein Motorrad nicht zurücklassen möchte. Ich stehe mit vielen anderen Betroffenen in Kontakt und informiere mich regelmäßig, welche Möglichkeiten mir bleiben. Zudem bin ich ja auch nicht der einzige Deutsche, der nach Hause will. Es sollen bis zu 1000 sein, die hier festsitzen, heißt es. Aber ich mache solange einfach das Beste draus."

Zum Schluss noch eine Frage: Was machen Sie beruflich? Und wie kann man von Januar bis Mai einfach so auf Reisen gehen?
"Ich habe vor meinem Reiseantritt meinen Job gekündigt. Ich war als Online-Redakteur tätig und habe danach in der Hotellerie gearbeitet. Für ein solches Projekt braucht man Freiräume - und etwas Mut, sich diese auch zu schaffen. Wenn ich zurück bin, schaue ich weiter."

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(Das Interview führte hr1-Onlineredakteur Ricardo Da Silva Campos)

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 25. Mai 2020, 5-9 Uhr

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