Entwicklung der Zinsen bei Festhypotheken von 2014 bis März 2019

Negative Zinsen, steigende Kontogebühren - wer sein Geld der Bank anvertraut, zahlt mittlerweile meistens drauf. Warum gibt es kaum noch positive Zinsen? Prof. Adalbert Winkler hat die Antworten.

Deutschlands Sparer*innen sind frustriert: Sie erhalten keine Zinsen mehr für das Geld auf ihren Konten. Stattdessen steigen die Bankgebühren. Und Abhilfe ist nicht in Sicht: Dass die Zinsen in absehbarer Zeit wieder steigen, ist nicht zu erwarten. Aber: Haben wir nicht ein Recht auf Zinsen, wenn die Banken mit unseren Spareinlagen arbeiten?

Haben wir ein Recht auf Zinsen?

"Nein", sagt Prof. Adalbert Winkler von der Frankfurt School of Finance & Management bei hr1. "Wir hatten nie ein Recht auf Zinsen. Der Zinssatz war positiv, weil der Markt einen positiven Zinssatz ergeben hat. Das ist heute anders." Der Grund dafür seien Veränderungen zwischen Angebot und Nachfrage auf den Kapitalmärkten.

Denn Unternehmen und Staaten fragen immer weniger Kredite nach. Das drücke den Zins, so der Experte. Umgekehrt wollen aber immer mehr Menschen Geld sicher anlegen. Das widerum erzeuge einen Druck auf die Zinsen für sichere Anlagen.

Inflationsrate und Wirtschaftswachstum

Die Zinsen werden stark von Inflationsrate und Wirtschaftswachstum beeinflusst, erklärt Prof. Winkler. "Je höher Inflationsrate und Wirtschaftswachstum, desto höher der Nominalzins." Mit Nominalzins wird jener Zins bezeichnet, den man auf dem Sparbuch oder Konto ausgewiesen bekommt.

"Als es früher drei oder mehr Prozent Zinsen gab, war die Inflationsrate und das Wirtschaftswachstum höher. Seit einigen Jahren dümpeln beide aber unter dem Wert der guten alten Jahre", weiß der Finanzfachmann. "Ohne Stärkung der wirtschaftlichen Aktivität und ohne Annäherung der Inflationsrate an das EZB-Ziel werden wir mit diesen niedrigen und zum Teil negativen Zinsen leben müssen."

Drei Alternativen

Wenn man für sein Bankkonto keine negativen Zinsen haben möchte, gibt es laut Prof. Winkler drei Möglichkeiten. Man kann sein Bargeld zuhause bunkern. Man kann es in Anlageformen, die positiven Zinsen versprechen, investieren, was aber mit Risiken verbunden ist. Oder man verzichtet ganz aufs Sparen und gibt das Geld aus - konsumiert also.

Kommen diese drei Alternativen nicht infrage, sollte man das Konto als Service-Leistung der Bank verstehen. So wie man zum Beispiel für ein Schließfach eine Gebühr bezahlt, wird nun auch für die Verwahrung des Geldes auf dem Konto ein Obolus fällig. Ein Recht auf Zinsen gibt es jedenfalls nicht.

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 9.9.2019, 5-9 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit