Reiseportale setzen Kunden unter Druck.
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"Sehr gefragt" oder "nur noch zwei Zimmer verfügbar". Mit Sätzen wie diesen versuchen uns Reiseportale zum schnellen Kauf zu bewegen. Dahinter steckt ein einfacher, psychologischer Trick. Und manchmal auch schlicht eine Lüge.

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Buchungsplattformen verknappen gewollt, denn alles, was nicht unbeschränkt verfügbar ist, wird als wertvoll eingeschätzt. Diesen psychologischen Trick machen sich die Unternehmen zunutze. Doch die Justiz setzt den Portalen enge Grenzen: Solange sie bei der Wahrheit bleiben, können sie ihre Güter als "knapp" bewerben. Doch wenn falsche Zahlen genannt werden, verstößt der Händler gegen das geltende Recht.

Der Trick der künstlichen Verknappung

Die EU-Kommission kritisiert den Trick der künstlichen Verknappung. Denn die Hinweise wie "nur noch drei verfügbar" beziehen sich meist nicht auf das Hotel, sondern auf die Verfügbarkeit beim jeweiligen Anbieter. Das bedeutet: Auf anderen Buchungsportalen finden Sie eventuell noch weitere freie Zimmer. Das Urteil der Kommission: Die irreführenden Angaben setzen den Kunden unter Druck und drängen ihn zu einer schnellen Buchung.

Reiseportale setzen Kunden unter Druck.
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Dass die künstliche Verknappung so effektiv wirkt, ist der Reaktanz, der Reaktion auf die künstliche Verknappung anzurechnen. Wenn etwas verknappt oder gar unzugänglich gemacht wird, erhöht sich automatisch dessen Wert für uns. Die Verknappung durch natürliche Umstände sei aber nicht so gravierend, wie die künstliche und das Wissen von Konkurrenz um das betroffene Gut, sagt Prof. Georg Felser, Konsumpsychologe an der Hochschule Harz.

Auch der Preis ist irreführend

Die meisten Urlauber buchen ihre Reisen online. Doch bei Verbraucherzentren gehen häufig Beschwerden über Internet-Reisedienstleister ein. Eine EU-weite Untersuchung von rund 350 Reiseportalen zeigte, dass 235 von ihnen unzuverlässige Preisangaben machen. Bei jedem fünften sind beworbene Sonderangebote gar nicht erhältlich.

Verbraucherzentren greifen durch

Im Dezember 2016 untersuchte auch Stiftung Warentest 14 deutsche Online-Reiseportale. Testsieger wurde Holidaycheck, das vor allem mit seiner übersichtlichen Hotel-Suche überzeugte. Die Webseite Ab-in-den-Urlaub.de dagegen enttäuschte mit einem stark ansteigenden Preis während des Buchungsprozesses und landete auf dem letzten Platz. 

Die europäischen Verbraucherzentren greifen nun durch und mahnen die betroffenen Dienstleister. Sollten diese nicht auf die Beschwerde eingehen, könnte ihnen ein Gerichtsverfahren drohen. So entschied bereits 2015 der Bundesgerichtshof, dass Fluggesellschaften von Anfang an zur Anzeige des Endpreises inklusive Steuern und Gebühren verpflichtet sind.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 08.04.2019, 9-12 Uhr.

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