David Richard Precht
Richard David Precht Bild © picture-alliance/dpa

Der Philosoph erklärt bei Koschwitz am Morgen, warum es das bedingungslose Grundeinkommen geben soll, wer einen Anspruch darauf hat und wie es finanziert werden könnte.

Es ist ein schöner Gedanke: Jeder bekommt so viel Geld, dass er davon leben kann, ohne etwas dafür tun zu müssen. Die Idee dieses bedingungslosen Grundeinkommens hat die Menschheit immer wieder elektrisiert. Der Philosoph Richard David Precht gehört zu den Befürwortern des bedingungslosen Grundeinkommens. Bei hr1 Koschwitz am Morgen begründet er, warum.

"Wir treten in ein neues Zeitalter ein", erklärt Precht. Und zwar in das "Zeitalter des Maschinenlernens und der künstlichen Intelligenz." Und in diesem Zeitalter wird sehr viel Arbeit von Maschinen übernommen, die heute noch von Menschen erledigt wird. Die Folge: "Viele Menschen werden nutzlos, weil es für sie keine Arbeit beziehungsweise keine gut bezahlte Arbeit mehr gibt", so Precht. Und wer längere Zeit keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, solle gesellschaftlich nicht stigmatisiert sein. Auch deshalb brauche es ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Wo soll das Geld herkommen?

Auch für die Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens hat der Philosoph einen Vorschlag. Er heißt Finanztransaktionssteuer. "Es gibt unfassbare Beträge, die erwirtschaftet werden, aber nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückkommen. Stattdessen geistern sie an den Finanzmärkten hin und her. Das ist ein dreistelliger Billionenbetrag allein für Deutschland", weiß Precht. Eine Billion davon würde reichen, um das bedingungslose Grundeinkommen zu finanzieren.

Wer soll das bedingungslose Grundeinkommen erhalten?

"Alle", sagt Richard David Precht. "Wenn nur Hartz-4-Empfänger das bekämen, wäre es nur ein andere Form von Hartz 4. Denn die, die arbeiten, sollen nicht die bezahlen, die nicht arbeiten. Das finde ich ungerecht. Und deshalb muss jeder das Grundeinkommen bekommen."

Was macht das Grundeinkommen mit der Motivation zu arbeiten?

"Es stärkt die Arbeitsmotivation", ist sich Precht sicher. "Wenn Sie heute Hartz-4-Empfänger sind und was dazu verdienen, müssen Sie einen Teil des Dazuverdienten wieder abgeben. Wenn es das Grundeinkommen gibt, können Sie bis zu dem Wert, an dem die Steuer greift, alles behalten." Außerdem vertritt der Philosoph die These, dass es mit dem Grundeinkommen leichter ist, sich selbst zu verwirklichen. "Wenn Sie sich auf Basis eines Grundeinkommens eine Beschäftigung suchen, ist die Bestätigung viel höher."

Wann muss das bedingungslose Grundeinkommen kommen?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wir brauchen das bedingungslose Grundeinkommen" (Gespräch mit Richard David Precht, Teil 1)

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Auf einen Zeitplan will sich Precht nicht festlegen. Ob das Grundeinkommen in fünf, sieben oder zehn Jahren komme, hänge von vielen Faktoren ab. Jetzt aber sei die Zeit, die richtigen Weichen dafür zu stellen. "Die Voraussetzungen für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens müssen jetzt geschaffen werden." Denn die Zeit, in der wir überall von künstlicher Intelligenz umgeben sein werden und es nicht mehr genug Beschäftigung gibt, wird kommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Die Arbeitsmotivation der Menschen wird gestärkt" (Gespräch mit Richard David Precht, Teil 2)

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Seine Gedanken dazu hat Richard David Precht auch in seinem neuen Buch "Jäger, Hirten, Kritiker - eine Utopie für die digitale Gesellschaft" aufgeschrieben. Es ist bei Random House erschienen und kostet 20 Euro.

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 13.11.2018, 5 Uhr

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