Vanessa Münstermann
Vanessa Münstermann vor und nach dem Säure-Attentat. Bild © picture-alliance/dpa

Vor drei Jahren wurde Vanessa Münstermann Opfer eines Säureanschlags durch ihren Ex-Freund, der ihre linke Gesichtshälfte zerstörte. Doch die 30-Jährige kämpfte sich zurück ins Leben und zeigt offen ihre Narben. In dem Buch "Ich will mich nicht verstecken" erzählt sie ihre Geschichte. Wir zeigen ihre Bilder.

Sie erzählt von Albträumen, dem ersten Blick in den Spiegel, der Reha, dem Gerichtsprozess und Beziehungen zu Männern. In "Ich will mich nicht verstecken" schreibt Vanessa Münstermann über die Vorgeschichte des Verbrechens, für das ihr Ex-Freund eine zwölfjährige Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung verbüßt. "Ich habe meine Tagebücher abgegeben, ohne sie vorher noch einmal zu lesen", sagt sie. "Da stehen Sachen drin, worüber ich noch gar nicht reden kann. Ich wollte nicht larifari machen. Ich wollte echt sein."

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Vanessa Münstermann zeigt ihr Buch "Ich will mich nicht verstecken". Bild © picture-alliance/dpa

Zwölf Tage Koma, etliche Operationen

Zwölf Tage liegt Vanessa Münstermann nach dem Anschlag mit Schwefelsäure im Koma. Sie verliert ihr linkes Ohr und das linke Auge. Rund 30 Operaionen muss sie über sich ergehen lassen. Dennoch spielt sie ihr eigenes körperliches und psychisches Leiden eher herunter - etwa die Schlafstörungen und Ängste seit dem Anschlag.

Denn noch immer hat die gelernte Kosmetikerin Angst davor, dass der Täter sie umbringt, wenn er eines Tages aus dem Gefängnis kommt. Er schrieb ihr aus der Haft beleidigende Briefe. Im Herbst 2018 erstritt Münstermann vor dem Landgericht Hannover in einem Zivilprozess 250.000 Schmerzensgeld. Allerdings ist der heute 37-Jährige nach Angaben seines Anwalts pleite.

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Vanessa Münstermann auf der Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover. Bild © picture-alliance/dpa

"Narben bleiben"

Vanessa Münstermann beschreibt aber auch, wie es ihr mittlerweile geht. Sie ist "super-glücklich, aber chronisch übermüdet". Seit acht Monaten ist sie Mutter einer Tochter. Im Herbst 2019 will sie ihre Jugendliebe heiraten.

Das Buch verfasste Vanessa Münstermann mit Regina Carstensen, die laut Verlag zuvor mit Oliver Kahn und Allegra Curtis gearbeitet hat. Die Ghostwriterin sagt: "Mich hat beeindruckt, wie selbstbestimmt sie eigene Entscheidungen trifft und dass sie ein großes Herz für andere hat." Die junge Frau gründete den Verein "AusGezeichnet e.V.", um Menschen die durch Unfälle verletzt, versehrt oder entstellt wurden zu helfen. "Narben bleiben. Aber wir werden daran nicht zerbrechen", schreibt sie auf der Webseite des Vereins.

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Um anderen entstellten Opfern zu helfen, gründete Vanessa Münstermann den Verein "AusGezeichnet". Bild © picture-alliance/dpa

"Ab heute darfst du hässlich sein"

Und so geht Vanessa Münstermann auch mit ihren Narben ganz offensiv um. "Mein Gesicht, meine Hände und mein Dekolleté sind mit Narben übersät. Und das wird so bleiben. Ich habe mich entschieden, die Narben zu behalten. Ich will mich nicht verstecken. (...) Mir hat der Weg, den ich gehen musste, gezeigt, wo meine Stärken liegen", sagt sie.

Wenn sie auf ihr Leben zurückschaut, lautet ihr Resümee: "Mein Tag war von Äußerlichkeiten bestimmt. Meine Wimpern wurden länger und bunter, mein Haar konnte nicht rot und wild genug sein, mein Make-up kleisterte jegliche Mimik zu. Zum Schluss erkannte ich mich selbst nicht wieder." Insofern sei die Zerstörung ihres hübschen Gesichts auch eine Befreiung gewesen: "Ab heute darfst du hässlich sein."

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Rote Haare, lange Wimpern: So sah Vanessa Münstermann vor dem Anschlag aus. Bild © picture-alliance/dpa

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 11.3.2019, 9 Uhr

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