Alleinsein tut gut, aber Einsamkeit tut weh. Mehr als sonst sind wir jetzt im Corona-November herausgefordert. Denn wir müssen es mehr als sonst mit uns allein aushalten. Erleben wir dann das Alleinsein als wohltuend und häuslich-gemütlich, oder begegne ich einer schmerzhaften Einsamkeit?

Tatsache ist, dass Einsamkeit ein Problem ist. Die Telefonseelsorge und das Corona-Krisentelefon gegen Einsamkeit der Universität Frankfurt sind stark nachgefragt. Das Gefühl, dass die Decke einem abends und am Wochenende auf den Kopf fällt, erleben viele Singles und besonders alte Menschen. Deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist ja ohnehin schon oft eingeschränkt, nun machen Besuchsregeln und Coronavorsicht alles noch viel trüber.

"Tür- und Angelgespräche" gegen Einsamkeit

Mit Blick auf den Winter schwebt Rilkes Gedichtzeile "wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben" als sehr konkretes Damokles-Schwert über den Häusern. "Zeit für Gegenmaßnahmen", sagt Pfarrerin Annegret Zander von der Fachstelle "Zweite Lebenshälfte" der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und hat Ideen entwickelt unter dem Motto: "Verbunden bleiben – Gemeinsam durch den Winter". Von "Frühstücksgesprächen am Telefon" bis zu kleinen Verteilaktionen an der Haustür mit "Tür- und Angelgesprächen" auf Abstand von Angesicht zu Angesicht reichen die Vorschläge, die sowohl Kirchengemeinden wie auch Einzelne umsetzen können.

Wie man es gut mit sich allein aushält...

Der Fotograf und Abenteurer Michael Martin hat viele seiner Expeditionen in die Wüsten der Welt allein unternommen. Er weiß, wie mutterseelenallein man sich da fühlen kann und wie sehr die langen Abende allein im Zelt an den Nerven zehren können. Er gibt uns im Gespräch Hinweise, wie man es gut mit sich allein aushalten kann und was man tun kann, wenn die schmerzhafte Einsamkeit anklopft.

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Einsam kann man ja auch mitten in der Menge sein, sogar in einer Ehe. Es ist das Gefühl, das einsam macht, nicht die äußeren Umstände. Wie man Einsamkeitsgefühlen heilsam begegnen kann, weiß der Psychotherapeut Wunibald Müller. Er ist auch überzeugt, dass das Alleinseinkönnen, das Gut-bei-sich-zu-Hause-Sein, eine Voraussetzung für jede Art von Beziehung ist, zu sich selbst und zu anderen. Oder wie Karl Valentin sagte: "Heute besuche ich mich. Mal sehen, ob ich Zuhause bin". Der Satz passt zum Teil-Lockdown.

Einsamkeit in der Politik

Auch Macht kann einsam machen. Je mehr Verantwortung man trägt, desto weniger kann man seine Entscheidungen auf andere abwälzen. "Alleiner kannst Du gar nicht sein", heißt folglich ein Buch über unsere Volksvertreter - zwischen "Macht, Sucht und Angst", wie es im Untertitel heißt. Wir hören von den Nöten der Abgeordneten. Dass Einsamkeit ein konkretes Thema der Politik ist, beweist Großbritannien, dort gibt es seit zwei Jahren ein Einsamkeitsministerium. Wir fragen nach, ob dort schon beispielhafte Wege gefunden wurden, um der Einsamkeit zu begegnen.

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Sonntagsgedanken Pfarrerin Ksenija Auksutat, Stockstadt/Rhein
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