"Wenn ich einmal tot bin, was sollte dann von mir in Erinnerung bleiben?" Die Frage ist spannend. Denn dass wir Spuren hinterlassen wollen und etwas von uns auf der Erde "verewigt" bleibt, diesen Wunsch haben wir alle.

Die einen schreiben Bücher, denn "wer schreibt, der bleibt", andere bauen Häuser, wieder andere verewigen sich zuerst in Baumrinden mit der Liebsten und später dann in ihren gemeinsamen Kindern. Am "Totensonntag" oder - wie es in der Evangelischen Kirche auch heißt "Ewigkeitssonntag", geht es um das, was bleibt, was erinnert wird, wenn Menschen nicht mehr da sind.

Jeder sollte seine Biografie schreiben

Andreas Mäckler leitet das Deutsche Biografiezentrum. Er sagt: jeder sollte seine Biografie schreiben, damit Kinder und Kindeskinder etwas erfahren von der Familiengeschichte und der Prägung, die es in ihrer Herkunft gibt. Und Kinder würden ja gerne wissen: "Papa, wie hast Du eigentlich Mama kennengelernt?" Biografien, Lebenserinnerungen, verbunden vielleicht mit Fotos, sind ein Stück Weiterleben und schenken den Nachgeboren Sinn für ihre Familiengeschichte. Wir sprechen darüber.

Das ewige Licht

Wenn der Toten gedacht wird, zünden Menschen oft Kerzen an. Das Licht soll erinnern an das "ewige Licht", das den Verstorbenen im Jenseits leuchtet. Denn davon ist das Christentum überzeugt: es gibt eine Lebenswirklichkeit, die das Sichtbare und auch die Grenzen des Todes übersteigt. Früher empfand man das Leben als Jammertal und tröstete, besser vertröstete die Menschen mit der Aussicht auf die "Ewigkeit", ein Leben im Lichte Gottes. Aber heute ist das Leben längst kein Jammertal mehr. Halten die Kirchen fest an der Rede von der "Ewigkeit", und was verstehen sie darunter?

Ein Schlüssel für die Ewigkeit

Was Verliebte unter Ewigkeit verstehen, ist klar: dass die Liebe, die ihnen himmlische Momente schenkt, beide so fest verbinden möge, wie die Schlösser, die sie dann an einer Brücke wie dem Eisernen Steg in Frankfurt anbringen. Anschließend werfen sie den Schlüssel in den Fluss, ein starkes Symbol für die Ewigkeit der Liebe, die jeder erhofft. Regelmäßig kommen die Angestellten der Stadt mit Bolzenschneidern und befreien den Eisernen Steg von den eisernen Liebesschwüren, damit er unter deren Last nicht zusammenbricht.

Kultur der Erinnerung

Menschliche Kultur gibt es gar nicht ohne die Kultur der Erinnerung. Wir wollen nicht zulassen, dass unser Andenken einfach ins Nichts fällt. Deshalb setzen wir Steine auf Friedhöfe und bauen Stehlen und Podeste, auf denen Menschen nach ihrem Tod präsent bleiben.

Im Judentum dürfen Gräber nicht aufgehoben werden. Die Verstorbenen müssen genau so liegen bleiben, den Kopf nach Jerusalem gerichtet, wie sie gebettet wurden. Sie erwarten so den Tag der Ankunft des Messias. Da das in Jerusalem geschehen soll, sind die Friedhöfe der Stadt heillos überfüllt, nun beginnt man bereits mit der unterirdischen Erweiterung der Grabfelder gegenüber von Tempelberg und Altstadt.

Friedhöfe müssen lebendiger werden

Hierzulande verändert sich die traditionelle Gedenkkultur rapide. Und manche fragen: Haben (kirchliche) Friedhöfe noch eine Zukunft? Vielleicht nehmen wir ja in 20 bis 30 Jahren die Urnen mit der Asche unserer Liebsten mit nach Hause, stellen sie ins Regal oder verstreuen die Asche im Garten? Das, was jetzt schon halblegal gemacht wird, könnte zum Trend werden. Eine aktuelle Studie der Universität Rostock hat die Zukunftsfähigkeit evangelischer Friedhöfe beleuchtet. Eine Erkenntnis: Wenn der Friedhof nur ein Ort für Tote ist, wird er sterben. Eine Empfehlung dagegen lautet: Gesonderte Bereiche sollen den Friedhof verlebendigen. Für intensiv Trauernde gibt es einen Ruhebereich, aber auch Gräber im Parkbereich bis hin zu Freilichtbühnen für Konzerte oder Kino inkl. Bratwurst und Bier sind angedacht. Wir geben ein paar Beispiele für die neuen Trends.

Erinnerung und Bewusstsein

Immer öfter werden berühmte Menschen, die man auf Sockel gehoben hat, auch wieder umgestürzt. Weil man zweihundert Jahre später findet, dass ihr Rassismus schlimm war, oder sie gar keine Wohltäter, sondern Menschenschinder war. Das Erinnern an Menschen spiegelt auch immer das Bewusstsein der Zeit, deshalb ist es nicht schlecht, wenn jede Generation auch andere Menschen hat, die sie auf den Sockel hebt, und deren Andenken sie ehren und verewigen will. Über all das denken wir nach bei hr1 am Sonntagmorgen am Totensonntag.

Trauern in Zeiten von Corona: die Chatandacht

Das Coronavirus hat auch die Möglichkeit zu trauern verändert. Das gemeinsame Gedenken verstorbener Angehörigen und Freunde in Gemeindegottesdiensten ist nur eingeschränkt möglich. Eine Alternative bietet die digitale Chatandacht von "trauernetz.de", die das Portal schon seit über zehn Jahren anbietet. Sie findet in diesem Jahr am Ewigkeitssonntag, dem 22. November 2020, um 18 Uhr auf www.trauernetz.de statt.

Die Online-Andacht bietet Trauernden, die nicht an einem Gemeindegottesdienst teilnehmen können, eine Möglichkeit des Gedenkens. Auf dem Portal ist es auch möglich, die Namen von Verstorbenen in ein digitales Trauerbuch einzutragen. Während der Online-Andacht werden diese im Chat eingeblendet und im Gebet vor Gott gebracht. Darüber hinaus kann man Online-Gedenkseiten für Verstorbene anzulegen.

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