"Ich bitte Sie um Geduld!", so sprach die Kanzlerin. Bis zum 20. April soll sich aus den Beschränkungen des öffentlichen Lebens erstmal nichts ändern. Corona entwickelt sich für uns alle zu einer echten Geduldsprobe.

"Nur Geduld – mit der Zeit wird aus Gras Milch" - Das stand an der Zimmertür eines Studienkollegen, der Landwirtschaft studierte. Das zeigt immerhin schon eine Möglichkeit, mit ungestillten Bedürfnissen zu leben, es mit Humor zu nehmen. Aber es ist nicht so einfach, denn wir alle wünschen uns dringend, uns wieder frei bewegen zu können, Leute zu treffen, in den Urlaub zu fahren.

Unsere Gesellschaft ist nicht auf Geduld programmiert

Bis dahin müssen wir uns in Geduld üben. Das fällt dem einen schwerer als dem anderen. Ob einer Geduld aufbringen kann, hängt von seiner Fähigkeit und Bereitschaft ab, mit ungestillten Bedürfnissen zu leben. Unsere Gesellschaft ist überhaupt nicht auf Geduld programmiert. Es heißt: heute bestellt - morgen geliefert. Oder: Ich will alles und zwar sofort.

Jetzt also sind plötzlich Eigenschaften gefordert, die wir nicht eingeübt haben: Gelassenheit, Abwarten oder beschwerliches Aushalten. Und dabei sollten wir weder den Mut noch die Hoffnung verlieren. Wie können wir die Geduld also buchstäblich üben? Ein Psychologe gibt dazu Anregungen.

Taugt das "Stoische" als Lebenskunst?

Auch die alten Stoiker, eine antike philosophische Richtung, liefert dafür seit Jahrtausenden schon Anregungen. Aber taugt das "Stoische", also das "Gleichmütige" oder das "Unerschütterliche", als Lebenskunst heute noch? Und ist Geduld nicht doch mehr als einfach nur etwas "auszuhalten"? Steckt in der Geduld nicht auch noch eine Hoffnung, eine Leidenschaft, dass sich das Warten lohnt, dass man etwas erwartet? Wir fragen dazu den Philosophen.

Das Leben ist kein Ponyhof

Schon Kinder müssen Geduld lernen. Sie ist eine Form von Selbstkontrolle, Ausdauer und Frustrationstoleranz, die im Leben Gold wert sein kann. Denn das Leben ist kein Ponyhof. Man muss auch mal Härten ertragen, die Früchte wachsen mir nicht in den Mund und nicht alles fällt mir in den Schoß. Diese und ähnliche Lebensweisheiten dazu sind allgegenwärtig.

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Vince Ebert
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Das berühmte Marshmallow-Experiment in der Psychologie illustriert das: Kinder bekommen ein süßes, leckeres Marshmallow kredenzt und werden vor die Wahl gestellt. Entweder sofort essen oder abwarten und anschließend noch ein zweites als Belohnung bekommen. Nicht alle sind in der Lage, abzuwarten. Wer es schafft, hat bessere Prognosen für seine Persönlichkeitsentwicklung.

Geduld beim Hobby und im Job

Aber Geduld lässt sich auch mit Lust verbinden: Leute, die gerne puzzeln, wissen das: Ab tausend Teilen trennt sich bei diesen Hobbyisten dann die Spreu vom Weizen. Wenn einer 5000 Teile puzzelt, dann müssten die Stunden der Corona-Quarantäne doch eigentlich wie im Flug vergehen, oder? Übrigens: Neben den normalen Puzzle-Spielen, von denen jeder wohl mindestens eins Zuhause hat, gibt es auch Online-Puzzle im Internet - schauen Sie mal:

Menschen mit berufsbedingter Geduld kommen bei hr1 zu Wort. Der Tierfilmer Jan Haft erzählt, wie er mit seiner Kamera tagelang auf wilde Tiere wartet und manchmal auch ohne die gewünschten Bilder den Rückzug antreten muss. Unsere Korrespondentin aus Nairobi erzählt, wie in Afrika jeder Klempner-Termin zur Geduldsprobe wird.

Aber das mit der Ungeduld unter Menschen ist schon so alt wie die Menschheit selbst. Die Bibel berichtet, dass das das Volk Israel auf der Wüstenwanderung in das Land, wo Milch und Honig fließt, schon bald zu murren beginnt. Und dann ihr Führer Moses ein Machtwort sprechen muss. Nicht so freundlich im Ton wie Kanzlerin Angela Merkel, aber in der Sache genauso klar.

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Sonntagsgedanken Beate Hirt, Frankfurt
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