Dachboden ausräumen, Fahrrad reparieren, Balkontisch abschleifen. Im Corona-Lockdown hat so mancher die Vorhaben in Angriff genommen, die schon lange auf der Liste stehen. Reparieren, bewahren, wegschmeißen - wer das tut, der spürt: Wir sind innerlich verbunden mit den Dingen, die uns umgeben.

An manchem Teil hängt unser Herz, anderes hat seine Zeit gehabt. Welche Beziehung haben wir zu den Dingen? Warum? Unser Thema am Sonntagmorgen in hr1.

Viele Dinge sind mit Erinnerungen verknüpft

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Wer einmal einen vollgestellten Dachboden oder Keller ausgemistet hat, weiß, was das für eine Aufgabe ist. Seit Jahren steht da eine Kiste, vollgestaubt und verdreckt. Lange hat da niemand mehr reingeschaut. Warum nicht einfach entsorgen?

Aber nein, all die Dinge darin, sie wecken Erinnerungen, sie lösen Gefühle aus. Plötzlich merkst Du: Davon kann ich mich nicht trennen. Was ist das für eine eigenartige Beziehung, die wir zu den Dingen aufbauen? Warum sind manche Sachen für uns unendlich wertvoll, auch wenn ihr tatsächlicher materieller Wert kaum mehr messbar ist?

Von der Puppendoktorin, die ein Stückchen Kindheit rettet

Bei Puppen und Kuscheltieren können wir uns ja noch vorstellen, dass Kinder ihr Herz daran verlieren. Schlimm ist es deshalb, wenn dem Teddy das Auge ausfällt oder die Puppe ihren Arm verliert. Aber zum Glück gibt es die Puppendoktorin. In ihrer Klinik heilt sie die geliebten Kuscheltiere. Und kann Geschichten erzählen von bangen Herzen und glücklichen Kinderaugen. Denn Kuscheltiere sind nicht einfach nur zum streicheln gut. Sie helfen uns an den großen Übergängen des Lebens.

Von Sammlern und Spartiaten

Welche Beziehung wir zu den Dingen entwickeln, ist darüber hinaus von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Der eine ist ein Sammler, kauft hier und da etwas zusammen, bringt Souvenirs mit, findet für allerlei Erinnerungsstücke einen Platz in der Wohnung. Andere wiederum lieben es karg. Sie umgeben sich am liebsten mit nur wenigen Dingen. Vielleicht nur ein einzelnes Stück, das gut platziert dem Raum eine besondere Note gibt. Wir besuchen Menschen und schauen, mit welchen Dingen sie sich in ihrer Wohnung umgeben.

Zeig mir Deine Dinge und ich sage Dir, was für ein Mensch du bist - funktioniert diese Gleichung? Darüber sprechen wir mit dem bekannten Münchner Psychotherapeuten Wolfgang Schmidbauer. Er hat kürzlich ein Buch geschrieben über "Die Kunst des Reparierens". Was ist das Problem unserer Wegwerfgesellschaft? Warum sollten wir mehr reparieren? Warum hängen wir uns Herz an Dinge? Und warum funktioniert der alte Trick der Werbung, die uns weismachen will, dass wir erst so richtig glücklich werden, wenn wir uns dieses oder jenes Ding gekauft haben?

Gleichnisse vom Loslassen aus der Bibel

Unsere Beziehung zu den Dingen ist auch für die Religionen ein wichtiges Thema. Die Bibel ist voll von Geschichten von Menschen, die ihr Herz an ein Ding hängen - oder eben gerade nicht. Da ist zum Beispiel der junge Mann, der sich dem Jesus von Nazareth anschließen wollte. Aber als der von ihm verlangte, all seine Sachen zu verkaufen und das Geld den Armen zu geben, da zog er doch traurig ab. "Woran Du Dein Herz hängst, das ist Dein Gott" - so kurz und knapp formulierte es der Reformator Martin Luther.

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Die Religionen lehren einerseits, sich nicht zu sehr abhängig zu machen von Dingen und materiellen Gütern. Aber zugleich fordern sie auch auf, sorgsam mit den Dingen umzugehen. Bei den Benediktinern zum Beispiel heißt es, jeder Mönch soll mit den Dingen, mit Handwerkszeug zum Beispiel, genauso sorgsam umgehen wie mit den Geräten auf dem Altar.

In hr1 am Sonntagmorgen fragen wir nach, wie das die Benediktinerinnen vom Kloster Eibingen heute leben.

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Sonntagsgedanken Pastoralreferentin Anke Jarzina, Eltville
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