"Dankbarkeit ist die Quelle von allem Guten", sagt der heilige Ignatius von Loyola. Und die Volksweisheit fügt hinzu: "Es kostet nichts, dankbar zu sein, doch es ändert einfach alles." Gilt das auch in Zeiten von Corona? "Ja! Gerade jetzt", sagt der Jesuitenorden und startet die Kampagne "Trotzdem dankbar".

Mit einem Dankbarkeitstagebuch, dem täglichen Rückblick auf dankbare Momente, möchten die Ordensleute in der alten Tradition der Jesuiten zur Dankbarkeit anregen. Denn Dankbarkeit ist ein uraltes Heilmittel gegen den Gram der Seele, die Unzufriedenheit. Wissenschaftliche Studien belegen eine ganze Reihe positiver Auswirkungen: weniger Stress und besseren Schlaf zum Beispiel.

Von Dankbarkeit und Wertschätzung

Warum haben wir dann nicht schon längst die Dankbarkeit als unsere "zweite Natur" angenommen? Was macht Dankbarkeit so schwierig? Darüber denken Psychologen ebenfalls nach. Dankbarkeit gehört zu den flüchtigen Gefühlen und wenn es um das Glück geht, neigen wir Menschen zur Unersättlichkeit. Programme zum Erlernen der Dankbarkeit setzen deshalb auf Wertschätzung auch des kleinen, unspektakulären Glücks. Denn viel von dem, was uns dankbar machen könnte, halten wir für selbstverständlich. Ein Beispiel: Erst in dem Augenblick, wo wir krank sind, wissen wir Gesundheit zu schätzen und sind entsprechend dankbar, wenn wir sie wiedererlangen.

Licht in Zeiten des Schattens

Aber ist es nicht auch unehrlich, sich die Dankbarkeit anzutrainieren, wenn doch im Leben manches gar nicht Anlass für Dankbarkeit sein kann? Setzen wir uns eine rosarote Brille auf, wenn wir Dankbarkeit üben? Wie steht es um die Dinge, die wirklich zu beklagen sind, auch in Coronazeiten - die Einsamkeit, die Einschränkungen? Sollen wir das überspringen? Nein, darum kann es nicht gehen, sagen Psychotherapeuten und Dankbarkeitsforscher übereinstimmend. Aber der ehrliche Blick auf das Leben erkennt neben dem Schatten auch das Licht.

Öffnen Sie die Herzen der Anderen

Tatsache ist, dass die Dankbarkeit das eigene Herz öffnet – und auch die Herzen der Menschen, denen gegenüber wir Dankbarkeit ausdrücken. Haben Sie schon einmal Ihren Eltern, Ihren Lehrern gedankt für all das, was Sie Ihnen "verdanken"? Nutzen Sie über die Rituale von Erntedankfest und Muttertag hinaus Gelegenheiten zum Danke sagen? Am Jahresende dem Briefträger und Paketboten zum Beispiel? Dem Müllmann? Welche Form von "Danksagung" wählen Sie, wenn Sie einer Kollegin ein Zeichen von Wertschätzung geben möchten? Und im Blick auf das zu Ende gehende Corona-Jahr: Haben Sie trotzdem Grund zur Dankbarkeit?

Das alles möchten wir erkunden am Sonntagmorgen in hr1. Denn Dankbarkeit ist eine unerschöpfliche Kraftressource in schweren Zeiten. Wie sagte es Friedrich von Bodelschwingh: "Wer danken gelernt hat, der ist gesund geworden."

Beiträge in der Sendung
SendezeitBeitrag
Sonntagsgedanken Prof. Stefan Claaß, Herborn
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