"Bitte umkehren" tönt es aus dem Navi, wenn wir uns verfahren haben. Im Leben gibt es auch Sackgassen, aber nicht immer ist die Ansage so klar und deutlich. Und man fragt sich: Soll ich weitergehen, wann ist Zeit zur Umkehr? Wenn man im Herbstwald wandert und plötzlich auf dem Holzweg landet, ist klar, dass man umdrehen muss. Aber sonst?

Der Strafanwalt Tobias Abel lebte mit Vollgas für seine Karriere: Studium und Fachanwaltsausbildung in Rekordzeit, eigene Kanzlei mit 26, stets mit 150 Prozent unterwegs. Und dann immer öfter der Zusammenbruch. So konnte es nicht weitergehen. Er entdeckte für sich Methoden der Achtsamkeit und sagt von sich: "Heute lebe ich mit 90 Prozent Arbeitsenergie und bin glücklich".

Achtsamkeitsübungen des "MBSR"

Achtsamkeitsübungen können helfen, in stressigen Lebenssituationen nicht in der Sackgasse zu landen. Das gilt auch für die Anspannung durch die steigenden Infektionszahlen und den damit verbundenen Corona-Stress. Wie kann ich die Balance finden zwischen einer gesunden Aufmerksamkeit für die Bedrohung und einem diffusen Angstgefühl, das mir alle meine Energien raubt? Jetzt am Beginn von einer möglichen zweiten Welle möchten wir dazu Anregungen von Vera Kaltwasser erfragen, die sich mit den Achtsamkeitsübungen des "MBSR" (Mindfulness-Based Stress Reduction) besonders gut auskennt und dies auch schon mit Kindern übt.

Beziehungspflege in Corona-Zeiten

Sich verändernde äußere Umstände zwingen manchmal zur Umkehr ohne dass wir es wollen. Angesichts der Kontaktbeschränkungen fragen wir uns: welche Freundschaften will und kann ich noch pflegen, welche muss ich ruhen lassen oder sogar beenden? Für viele ist das derzeit eine Erfahrung, die Andrea Hillenbrand, Psychologin aus Wiesbaden einordnen hilft. Sie sagt: Wir sind jetzt bei den uns wirklich wertvollen Beziehungen mehr als sonst gefordert, diese auch zu "pflegen". Das schöne deutsche Wort von der "Beziehungspflege", etwa durch besondere kleine Zeichen oder auch mal einen Brief, kann man jetzt neu entdecken.

Vom Saulus zum Paulus

Auch in den Kirchen steht Umkehr an: Was ist, wenn es Weihnachten Kontaktbeschränkungen gibt und die Kirchen nicht wie früher voll sein dürfen? Zwei Frankfurter Geistliche, ein katholischer und eine evangelische, haben dazu Hausgottesdienste ausprobiert, die eine Antwort auf die Situation sein könnten. Umkehr ist ohnehin ein Kernwort der christlichen Religion. Dass jemand vom Saulus zum Paulus wird, ist sprichwörtlich und geht zurück auf die bekannteste Umkehrgeschichte der Bibel. Damals wurde aus dem brutalen Christenverfolger Saulus einer der glühendsten Verfechter der christlichen Sache, Paulus.

Luthers 95 Thesen

Auch Martin Luther erlebt eine Umkehr mit Folgen. Sein Kampf gegen die Geschäftemacherei im Ablasswesen seiner Zeit machte aus dem eifrigen Mönch einen der wirkmächtigsten Reformatoren seiner Zeit, und zuletzt auch den Kirchengründer der evangelischen Kirche. Am heutigen Reformationsfest wird in vielen Gottesdiensten an die Veröffentlichung seiner 95 Umkehrthesen an der Wittenberger Schlosskirche erinnert.

"Kipppunkte" in komplexen Systemen

"Umkehr ist möglich, aus jeder noch so verfahrenen Situation", das predigen die Kirchen. Aber stimmt das heute auch politisch, ökologisch, sozial? Wissenschaftler sprechen von den "Kipppunkten" in komplexen Systemen, wenn es dann – ganz plötzlich – zu spät ist für eine Umkehr. In Sachen Artensterben, Klima usw. müssen wir umkehren, noch bevor es allen weh tut. Ist die Menschheit dazu in der Lage? Das fragen wir Stefan Thurner, einen Komplexitätsforscher, der ein Buch geschrieben hat über die "Zerbrechlichkeit der Welt". Es bleibt aber optimistisch und formuliert im Untertitel: "Kollaps oder Wende. Wir haben es in der Hand."

Weitere Informationen

Infos zum Buch

Stefan Thurner: Die Zerbrechlichkeit der Welt

Stefan Thurner
Die Zerbrechlichkeit der Welt: Kollaps oder Wende. Wir haben es in der Hand.
272 Seiten, Hardcover
Verlag: edition a
ISBN: 978-3990014288
Preis: 24,00 €

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Sonntagsgedanken Pastor Ralf Schweinsberg, Rothenbergen
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