Falco, Donna Summer, Madonna

Sex, Drogen oder Religion - mit diesen Themen sollte man als Musiker besser vorsichtig sein. Schnell droht der Tabubruch. Aber frei nach "Sex sells" sind solche Songs oft besonders erfolgreich. Die hr1-Lounge widmet sich zusammen mit Buchautor Michael Behrendt diesem Thema. Eine kleine Auswahl an musikalischen Skandalen lesen Sie hier.

Michael Behrendt, unser Gesprächspartner in der hr1-Lounge, weiß, warum bestimmte Musiktitel die Gemüter bislang erhitzt haben. In seinem Buch "Provokation! Songs, die für Zündstoff sorg(t)en" schreibt der Autor über die größten Tabubrüche in der Musikgeschichte.

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Buch-Infos

"Provokation! Songs, die für Zündstoff sorg(t)en", von Michael Behrendt
Flexicover, 296 Seiten
Verlag: wbg Theiss
ISBN: 978-3-8062-3922-5
Preis: 20 Euro

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Provokation! Songs, die für Zündstoff sorg(t)en

"Skandal im Sperrbezirk"

32168 - diese Telefonnummer sucht man in München auch heute noch vergeblich. Der Grund dafür ist ein Song aus dem Jahr 1981, der den Skandal sogar im Titel trägt: "Skandal im Sperrbezirk" der Spider Murphy Gang behandelt eine fiktive Prostituierte, die unter eben jener Telefonnummer erreichbar sein soll. Als die Nummer nach Song-Release mehrmals angerufen wurde, stellte sich heraus, dass sie in anderen Städten vergeben war. Die Band zahlte damals für diverse Rufnummernänderungen und sorgte gleichzeitig dafür, dass die Stadt München die 32168 bis auf weiteres aus den Telefonbüchern verbannte.

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Top-Hits trotz Boykott

Der eigentliche Skandal der Spider Murphy Gang war die Verwendung des Wortes "Nutten" im Liedtext. Einige Radiosender boykottierten den Song daher Ende 1981 - wenige Monate später fand er sich dennoch auf Platz 1 der deutschen Charts wieder. Ähnlich ging es auch zahlreichen anderen Hits der letzten Jahrzehnte, wie der Debüt-Single der britischen Popgruppe Frankie Goes to Hollywood: "Relax" war zwar lyrisch nicht gerade vielfältig, ließ dafür aber umso mehr Raum für Interpretationen. Welche Sexpraktiken dabei beschrieben werden, ist unklar, der Akt an sich mitsamt Höhepunkt steht aber deutlich im Vordergrund. Das anzügliche Plattencover erledigte den Rest, und die BBC sperrte den Song zeitweise komplett. Geschadet hat's nicht: "Relax" stand in Großbritannien 63 Wochen auf Platz 1.

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Der Boulevard würde sie als "Skandalnudel" bezeichnen: Tatsächlich schafft es Madonna immer wieder mit ihren Texten, Videos und Auftritten für Aufsehen und Kritik zu sorgen. "Papa Don't Preach" zum Beispiel erzählte 1986 die Geschichte einer schwangeren Teenagerin, die um die Unterstützung des Vaters bittet. Ihr Credo, das Kind behalten zu wollen, rief prompt die Abtreibungsbefürworter auf den Plan. Auf der anderen Seite forderte der Vatikan sogar zum Boykott von Madonnas Welttournee 1987 auf, da der Titel auch als verbalen Angriff auf den Papst ("Papa") verstanden wurde.

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Gezielte Provokation

Teenager-Schwangerschaften würden heute keinen mehr hinterm Ofen vorlocken, Missbrauch und Vergewaltigung dagegen vielleicht schon. Schon 1985 erlebte der österreichische Superstar Falco einen wohl kalkulierten öffentlichen Aufschrei mit seinem Song "Jeanny". Darin spielt der Sänger mit der vermeintlichen Sichtweise eines Vergewaltigers auf sein Opfer. Soundelemente wie eine Vermisstenmeldung aus den Nachrichten oder Szenen aus einem dunklen Wald und einer Psychiatrie im Musikvideo lenken die Interpretation des Textes in eben jene Richtung. Auch wenn die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Song damals nicht indizierte, warfen zahlreiche Radiostationen den Song aus ihrem Programm.

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Julija Wolkowa und Jelena Katina sind der Beweis, dass Musik-Skandale auch in der jüngeren Zeit noch existieren. Als russisches Pop-Duo t.A.T.u. zeigten sie sich seit 1999 in ihren Videos und bei ihren Auftritten immer wieder küssend, eng umschlungen und leicht bekleidet. Ihr Lesben-Image machte die beiden Mädchen in Russland und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion schnell bekannt. Mit dem Song "All The Things She Said" gelang auch in Westeuropa und den USA der Durchbruch. Dabei liegen sich die damals 18- beziehungsweise 19-jährigen Sängerinnen küssend in den Armen und werden von einer erschrockenen Menge beobachtet.

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Sex sells

Dass sich Bettgeflüster im wahrsten Sinne des Wortes auch musikalisch verwerten lässt, hatten Serge Gainsbourg und Jane Birkin mit "Je t'aime... moi non plus" 1969 schon vorgemacht. Star-Produzent Giorgio Moroder griff dieses Stilmittel 1975 erneut auf, als er Donna Summer in "Love To Love You Baby" ins Mikro hauchen ließ. Auch ihr lustvolles Stöhnen und Quietschen geriet medial stark in Verruf, und erneut war es die BBC, die dem Song das Airplay verweigerte. Am Ende konnten Moroder und Summer darüber nur müde lächeln: Die Keuch-Arie kam auf den Tanzflächen so gut an, dass eine zweite Version davon produziert wurde - mit fast 17 Minuten Länge!

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Musikalische Revolution statt kontroverser Inhalt

Gibt es etwas Unschuldigeres als vier anzugtragende Herren Anfang 20 mit "Pilzköpfen"? Aus heutiger Sicht hätte das Auftreten der Beatles harmloser nicht sein können, aber die vier Jungs aus Liverpool stießen eine ganz neue Welle im Musikbusiness an. Elektrisch verstärkte Gitarren und treibender Rhythmus ließen seit dem Debüt mit "Love Me Do" 1962 eine positive Hysterie vom Stapel. Das Establishment war empört und traute den Fab Four nicht über den Weg - dabei waren die anfänglichen Texte der Gruppe wahrlich nicht anspruchsvoll.

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Mit Fake zum Erfolg

Einen etwas anderen Skandal brachte die Branche Ende der 80er mit dem Disco-Dance-Duo Milli Vanilli hervor. Der Grund: Fake-Gesang und Playback. Die fein produzierten Grooves der Gruppe unter Federführung Frank Farians erreichten zwar internationalen Erfolg und ein Nummer-1-Album in den USA, die Geschichte kam aber kurz darauf ans Licht. Bei einem Auftritt 1990 setzte das Playback aus und die stumme Lippenbewegung der beiden "Sänger" war entlarvt. Bekannt und berühmt ist das Duo bis heute, seine Songs wie "Girl You Know It's True" sind Dancefloor-Hymnen.

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Offener musikalischer Protest

Manche Songs brauchen keinen Skandal, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bob Dylans "Hurricane" von 1975 war schon als Protestlied angelegt: Der Text behandelt den damals inhaftierten farbigen Boxer Rubin "Hurricane" Carter, der wegen grober Verfahrensfehler in einem Mordprozess unrechtmäßig im Gefängnis saß. Man hatte ihm dreifachen Mord vorgeworfen, dabei klare Indizien außer Acht gelassen und falschen Zeugenaussagen geglaubt - Zeugen, Ermittler und Geschworene waren weiß.

Zum Zeitpunkt der Song-Veröffentlichung saß Carter bereits seit neun Jahren ein, durfte aber plötzlich wieder hoffen, da das Verfahren neu aufgerollt wurde. Wieder befand man ihn für schuldig, doch Dylan und weitere Prominente wie Muhammad Ali setzten sich weiter für Carter ein. 1985 sprach ihn eine Jury schließlich in dritter Instanz frei.

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Sendung: hr1, hr1-Lounge, 2. April 2019, 19 Uhr

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