E-Bikes werden immer beliebter

Stiftung Warentest hat zwölf Pedelecs aus der Kategorie "Komfort" genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Alle bereiten Fahrspaß, doch bei manchen Modellen besteht Brandgefahr. Am Ende schneiden nur vier von zwölf Elektrorädern mit "gut" ab, ein Hersteller sticht dabei besonders heraus.

Pedelecs werden immer beliebter, und das aus gutem Grund: Die Elektroräder verwandeln steile Anstiege in sanfte Hügel, zermürbende Langstrecken in angenehme Kurztrips und starke Gegenwinde in laue Lüftchen. Und dabei sind sie flexibel wie ein Fahrrad, unterstützen den Fahrer aber bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde elektrisch beim Treten.

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Unterschied Pedelec vs. E-Bike

Die Mehrheit aller angebotenen Elektro-Fahrräder sind eigentlich Pedelecs. Pedelecs bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer etwas mithilft und in die Pedale tritt. Erfolgt die Pedalunterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde, gelten Pedelecs als Fahrrad und sind nicht zulassungspflichtig. E-Bikes hingegen fahren per Knopfdruck - auch ohne Pedalunterstützung. Dieses System ist ab sechs Kilometer pro Stunde zulassungspflichtig. Deshalb werden E-Bikes eher selten angeboten. Pedelecs haben somit den Vorteil, dass der Fahrer selbst entscheiden kann, wie viel Unterstützung er beim Radeln braucht. Wer ganz auf die Motorunterstützung verzichten will, kann sie ausschalten und herkömmlich Rad fahren.

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Zwölf teure Komfort-Pedelecs im Test

Kein Wunder also, dass 84 Prozent der E-Bike-Besitzer laut einer Umfrage der Stiftung Warentest angegeben haben, durch ihr Pedelec mehr Fahrrad zu fahren als vorher. Und laut Zweirad-Industrie-Verband sind in Deutschland bereits 5,4 Millionen Pedelecs unterwegs. Kurzum: Pedelecs liegen voll im Trend. Doch halten die teuren Elektrofahrräder eigentlich auch das, was sie versprechen?

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zum hr-fernsehen.de Video Gebrauchte E-Bikes: Top oder Flop?

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Die Stiftung Warentest hat in ihrer aktuellen Ausgabe zwölf auf Komfort ausgelegte, zwischen 2150 und 3500 Euro teure E-Bikes getestet, die ein einfaches Auf- und Absteigen ermöglichen. Alle verfügten über einen Mittelmotor, hydraulische Scheibenbremsen und einen tiefgeschwungenen Rahmen sowie einen Durchstieg mit vollintegriertem Akku. Zudem wurde bei allen das Fahrverhalten und die praktische Handhabung erprobt, im Labor wurden Sicherheit und Haltbarkeit getestet. Auch die Reichweite der Akkus wurde analysiert sowie Sättel und Griffe auf Schadstoffe untersucht.

Hersteller KTM lässt Konkurrenz hinter sich

KTM Macina Tour 510 - Pedelec

Im Praxistest überzeugten zwar zehn der zwölf Pedelecs mit ihren Fahreigenschaften, doch nur vier erwiesen sich auch in den weiteren Tests als robust und sicher genug. Somit erhielten die Räder von Stevens, Pegasus, Raleigh und KTM die Gesamtnote "gut", das KTM-Modell Macina Tour 510 für 2.900 Euro wurde mit einigem Vorsprung Testsieger mit einer Gesamtnote von 1,7. Das Kalkhoff Endeavour 5.S Move und das Kettler Paramount 10G hingegen waren nicht brandsicher und wurden daher mit "mangelhaft" bewertet.

Alle Ergebnisse im Überblick:

  • Kettler Paramount 10G (Note: 5,0 - Preis: 2.790 Euro): Das Steckergehäuse des Akkus fiel durch die Brandsicherheitsprüfung. Zusätzlich war der Shimano-Antrieb ungünstig abgestuft und der sechsgliedrige Akku schwer einzusetzen. Zwar überzeugte die aufrechte, angenehme Sitzposition, das Rad erlaubt aber nur eine Gesamtlast von 20 Kilogramm auf dem Gepäckträger.
  • Kalkhoff Endeavour 5.S Move (Note: 5,0 - Preis: 3.100 Euro): Auch dieses Akku-Steckergehäuse überstand den Brandsicherheitstest nicht, allerdings das des Ladegeräts. Der Dauertest führte außerdem zu einem Riss der Sattelstütze, der zu einem Bruch führen könnte. Auch hier war der Shimano-Antrieb ungünstig abgestuft, außerdem lässt es nur 130 Kilogramm Gesamtgewicht zu. Das Knarren des breiten Lenkers störte das ansonsten gute Fahrerlebnis.
  • Pegasus Premio Evo 10 Lite (Note: 2,4 - Preis: 3.100 Euro): Das Premio fuhr mit und ohne Gepäck stabil und überzeugte mit einer sehr aufrechten Sitzposition und griffigen Pedalen. Der gut abgestufte Motor war jedoch laut und das Licht etwas schwach. Der Akku reichte für 55 Kilometer, lud jedoch lange. Unpraktisch ist das Rad beim Reparieren, da es die Anleitung nur auf CD gibt. Dafür lässt sich das Rad durch eine Querstrebe am Motor trotz 28 Kilogramm Gewicht gut heben.
  • Stevens E-Courier PT5 (Note: 2,3 - Preis: 3.000 Euro): Das Stevens-Pedelec fuhr insgesamt gut und sehr leise, war allerdings weniger wendig als andere Modelle und durch die Nabenschaltung bergauf schwächer. Der Akku kam auf 51 Kilometer Reichweite, verkantete aber beim Einsetzen. Auch das Licht war etwas schwach.
  • KTM Macina Tour 510 (Note: 1,7 - Preis: 2.900 Euro): Bot als einziges Testexemplar sehr gute Fahreigenschaften, einen kraftvollen und gut abgestuften Motor. Außerdem lud der Akku vergleichsweise schnell und kam 55 Kilometer weit. Das KTM-Rad fuhr sich zudem auch ohne Motorunterstützung besser als die meisten anderen Testräder, außerdem sind Sattelstütze und Gabel gefedert.

Der stärkste Motor muss nicht immer der beste sein

Insgesamt schnitten die Pedelec-Modelle mit Bosch-Motoren besser ab als andere, doch auch Exemplare mit Motoren von Bafang, Brose und Shimano wurden für "gut" oder "befriedigend" befunden. Zudem wurde festgestellt, dass der kraftvollste Antrieb nicht gleichzeitig der beste ist: Motoren mit viel Drehmoment wie der Bosch Performance Line CX unterstützen zwar stärker beim Treten, entladen aber auch schneller die Akkus und sorgen so für eine geringere Reichweite.

Vor allem im flachen Gelände eignen sich weniger starke Motoren daher besser, sagt die Stiftung Warentest. Gleichzeitig kann das hohe Drehmoment der Motoren zu hohen Beschleunigungen führen und ungeübte Radfahrer gefährden.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 9.6.2020, 5-9 Uhr

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