Ein Mann reinigt eine Toilettte
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Hätten Sie‘s gedacht? Im Duschkopf lauern mehr Keime als auf der Toilette. Hier lesen Sie, wo sich Keime am wohlsten fühlen und was Sie dagegen tun können.

"Nicht nur sauber, sondern rein", so lautete in den Achtzigerjahren ein Werbespruch für Waschmittel. Doch mit Reinigungsmitteln allein kann man Keimen und Bakterien nicht beikommen. Man sollte wissen, an welchen Orten mögliche Krankheitserreger lauern und wie man sie effektiv beseitigt.

Küche

Keime und Bakterien tummeln sich meist an Stellen, die man beim Hausputz nicht immer im Visier hat: Keimschleudern lauern vor allem im Kühlschrank, an der Dunstabzugshaube, auf Arbeitsflächen, Schneidbrettern, in der Spülmaschine und im Spülbecken. Auch im feucht-warmen Biotop eines Topfreinigers oder Küchenschwamms vermehren sich Keime rasant.

Kühlschrank: Das Innere des Kühlschranks sollte alle zwei bis drei Monate gereinigt werden. In einem Haushalt mit kleinen Kindern, bettlägerigen und pflegebedürftigen Menschen sollte der Intervall etwa zehn Tage betragen. Vorsicht: Für die Reinigung keinen  Essigreiniger oder Essigessenz verwenden. Bei häufigem Einsatz können diese Mittel den Kunststoff angreifen und die Dichtungsgummis porös machen. Lieber Allzweckreiniger oder Spülmittel einsetzen. Zum Schluss den Innenraum des Kühlschranks mit klarem Wasser auswischen, dem ein Spritzer Zitronensaft beigemischt wurde. Durch den Zitronensaft wird der pH-Wert des Wassers gesenkt: Das saure Milieu "versauert" Bakterien die Lebensbedingungen.

Bei aufgetauten TK-Waren das Tauwasser von Fleisch und Geflügel sofort entsorgen. Arbeitsflächen und Gegenstände, die damit in Kontakt waren, gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen.  

Geschirr, Besteck und Küchenutensilien sollten Sie mit heißem Wasser und Spülmittel oder in der Spülmaschine bei mindestens 60°C reinigen.

Für Geschirr, Arbeitsflächen und Fußboden getrennte Reinigungstücher. Spülbürsten  regelmäßig in der Spülmaschine reinigen, nach einigen Wochen durch neue ersetzen. Schwämme aus hygienischen Gründen nach 14 Tagen wegwerfen und durch neue ersetzen.

Für das Aufwischen von möglicherweise keimbelasteten Lebensmittelrückständen am besten ein Stück Küchenrolle einsetzen.

Spülmaschine: Am Boden des Innenraums der Spülmaschine befindet sich der sogenannte "Pumpensumpf". Dort wird das Wasser abgepumpt. Damit keine Essensreste oder Fremdkörper, zum Beispiel zerbrochenes Glas, in den Ablauf gelangen, ist ein Sieb integriert. Dieses sollte regelmäßig gereinigt werden, um lästigen Gerüchen und Verunreinigung durch Keime vorzubeugen. In der heißen Sommerzeit am besten nach jedem Spülgang. Einfach das Sieb herausnehmen und im Spülbecken mit Spülmittel und einem Schwamm reinigen. Diese Aktion dauert nur wenige Minuten.

Spülbecken-Abfluss: Vor allem die gesundheitsschädlichen Coli-Bakterien sind in den Becken häufig verbreitet. Deshalb Spülbecken nach jedem Abwasch heiß ausspülen, dann mit Essigreiniger säubern. Zusätzlich sollte die Spüle ein bis zwei Mal pro Woche mit Desinfektionsreiniger abgewaschen werden. Um auch das Abflussrohr von Ablagerungen zu befreien, schütten Sie ab und an einen Teelöffel Bleichmittel mit ein wenig Wasser verdünnt in den Abfluss. Wußten Sie schon? Bakterien gelingt es tatsächlich vom Ablauf des Waschbeckens nach oben zu „klettern“ und sich über das Spritzwasser im Raum zu verbreiten. Das haben Forscher der Universität in Virginia, USA, herausgefunden.

Beim Küchenputz auch die Arbeitsflächen, Küchengeräte, Tür- und Schrankgriffe regelmäßig mit heißem Wasser und Reinigungsmittel säubern und gut abtrocknen.

Wohnzimmer

Keime und Bakterien finden sich auch an Lichtschaltern, Schranktüren, an Telefonhörern und Handys, auf Tablets, Fernbedienungen am Fernseh-Bildschirm. Auch diese Flächen sollte man nicht nur abstauben, sondern regelmäßig mit einem feuchten Tuch mit Reinigungsmittel säubern.

Badezimmer

Zahnmediziner empfehlen, alle acht bis zwölf Wochen die Zahnbürste zu ersetzen, weil dann die Borsten mit Keimen übersät sind. Übrigens: Zahnbürsten oder Rasierklingen sollte man nicht mit anderen teilen, sonst können sich Krankheiten übertragen.

Bürsten und Kämme sollten ebenfalls regelmäßig gereinigt werden. Am besten mit Haarshampoo.

Kosmetikpinsel: Abgestorbene Hautschüppchen, Hautfett und ölige Bestandteile sowie Feuchtigkeit aus dem Make-up sind eine optimale Brutstätte für Keime. Werden Schminkpinsel immer wieder benutzt, können Mitesser, Pickel und Infektionen wie Bindehautentzündungen entstehen. Deshalb Pinsel nach Gebrauch mit einer Lösung aus reinem Alkohol, gibt’s in der Apotheke, reinigen. Auf die Schnelle hilft auch ein Abschminktuch, am besten mit wenig rückfettenden Inhaltsstoffen.

Kontaktlinsenbehälter sollten regelmäßig ausgewechselt werden. Denn das feuchte Klima ist ein gutes Klima für Pilze und Keime, die sich so auf der Linse und dann im Auge ablagern können. Augenärzte empfehlen eine quartalsweise ein neues Behältnis zuzulegen.

Duschkopf: Durch die feuchte, dunkle Umgebung im Inneren eines Brausenkopfs fühlen sich gleich ganze Bakterienkolonien wohl. Das wiesen Forscher der Universität in Boulder, im US-Staat Colorado, nach. Vor allem mit dem ersten Wasserstrahl können sich die Keime fein zerstäubt als Nieselregen über dem Duschenden verteilen und werden auch eingeatmet. Besonders gefährdet für mögliche Infektion mit Mykobakterien seien Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie Schwangere, Senioren und Kranke. Symptome einer Infektion mit dem "Dusch"-Keim sind Müdigkeit, trockener Husten, Kurzatmigkeit und Unwohlsein. Außerdem fanden die US-Forscher heraus, dass Plastik-Duschköpfe offensichtlich mit mehr Bakterien besiedelt sind, als Duschköpfe aus Metall.

Duschvorhänge können meist wie herkömmliche in der Waschmaschine gereinigt werden, je nach Pflegeanleitung auf dem Etikett mit 40 oder 60 Grad waschen. Einmal im Jahr einen neuen Duschvorhang anschaffen.

Sanitärbereich: Für Waschbecken, Badewanne und Dusche sowie Toilette immer getrennte Putzlappen und Schwämme benutzen. Als Regel gilt: Zuerst das Waschbecken, dann die Toilette reinigen. Diese am besten täglich reinigen – mit einem „sauren“ Sanitärreiniger auf Basis von Zitronensäure, damit auch Kalk und Urinstein entfernt werden kann. Vorsicht: Reinigungsmittel, etwa chlorhaltige WC-Reiniger, nicht mixen!

WC: Hier lauern die Keime nicht in der Toilette, sondern auf dem unteren Rand der Klobrille. In diesem Bereich am besten täglich mit einem milden Sanitärreiniger säubern und mit einem Extratuch trocknen.

Waschmaschine: Bei mangelnder Pflege sind der Spülschacht und die Waschtrommel eine regelrechte Keimschleuder. Daher stets die Waschmaschinentüre offen lassen. die Einfüllschublade für das Waschmittel herausnehmen und die Trommel und den Schacht mit einem trockenen Tuch auswischen. So können diese Bereich nach der Benutzung gut trocknen und die Ablagerung von Keimen und Bakterien verhindert werden. Unser Tipp: Am besten als erstes eine 60-Grad-Wäsche laufen lassen, danach erst die Buntwäsche mit 30 oder 40 Grad. Wird die Maschine längere Zeit nicht benutzt, einen 90-Grad-Waschgang mit Waschmittel, aber ohne Wäsche, machen.

Schlafzimmer

Bettwäsche, Nachtwäsche sowie Bettzeug und Matratzen sind ein Biotop für Bakterien. Durch das feuchte Klima, das durch den Körperschweiß entsteht und durch Hauptschuppen erhöht sich zudem die Milbenbelastung. Sie ernähren sich von winzigen Hautschuppen, ihre Ausscheidungen können Allergien auslösen. Matzratzen regelmäßig über mehrere Stunden lüften, dazu quer aneinander stellen.

Vor allem in den Sommermonaten am besten wöchentlich Bettwäsche, Nachtwäsche alle paar Tage wechseln und wenn möglich bei mindestens 60 Grad waschen. Bei dieser Temperatur werden Bakterien abtgetötet.

Desinfektionsmittel sind unnötig

Übrigens: Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät von Desinfektionsmitteln zur Bekämpfung von Bakterien im Haushalt ab. Bei einer gründlichen Säuberung mit Reinigungsmitteln werden mehr als 90 Prozent aller Oberflächenkeime entfernt, heißt es in einem Bericht. Positive Einflüsse durch bakterientötende Zusätze seien nicht festgestellt worden. Stattdessen werde das Abwasser nur unnötig belastet.

Mehr zum Thema: Bakterien im Gummi-Spielzeug

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 14.8.18, 9 Uhr

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