Balkone
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Die warmen Temperaturen locken uns am Abend auf die Terrassen und Balkone. Wir grillen, quatschen, hören Musik und bekommen mitunter mehr von unseren Nachbarn mit, als uns vielleicht lieb ist. Doch wo ist die Grenze?

Balkon oder Terrasse sind Teil der Mietsache genaus wie die Küche, das Wohnzimmer oder der Keller. Dennoch gelten einige Sonderregelungen und Rechte.

Was ist "zu laut?"

Ab 40 bis 60 Dezibel beginnt die Lärmbeeinträchtigung. Das sind mittlere, bereits als unangenehm empfundene Lautstärken bei Unterhaltungen oder typische Bürogeräusche. Ruhestörung ist eine Ordnungswidrigkeit, die nach dem Gesetz mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro geahndet werden kann.

Die (Grill-)Party

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Nachbarstreit

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Der Umgangston ist rauer geworden"

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Ob im Hof, im Garten oder dem Balkon: Im Sommer muss man heitere Zusammenkünfte im Freien zunächst mal ertragen. Zu laut darf es aber nicht werden. Schwierig ist das natürlich mit den konkreten Richtwerten. Nach 22 Uhr gilt aber auf jeden Fall: Rein in die Wohnung, Fenster zu. Denn bis sechs Uhr morgens gilt allgemeine Nachtruhe.

TV-Lautstärke, Musik und Co.

Klar, was für die lustige Stimmung bestens aufgelegter Party-People gilt, gilt auch, wenn man allein auf der Couch den neuen Action-Thriller bei voller Lautstärke anschaut oder die Lieblingsband im Stadion-Sound spielen lässt. Bitte spätestens um zehn runter drehen. Es gibt kein Recht auf Lärm.

Lust und Leidenschaft

Hier hat das Landgericht Bonn 2015 eine Entscheidung gefällt. "Es gibt eine Intimsphäre, die man wahren muss, und solche Geräusche muss man nicht hören". Ein Ehepaar aus Hennef hatte sich belästigt gefühlt durch eine äußerst lustvolle Geräuschkulisse von nebenan. Der Beklagte hatte es krachen lassen bei geöffnetem Fenster. Am Ende versprach der Nachbar, Geräusche zu unterlassen, die für die Nachbarn "wahrnehmbare sexuelle Handlungen betreffen".

Baden und Duschen

Das sind juristisch gesagt "sozial adäquate" Tätigkeiten. Kann den Nachbarn in der Nacht zwar stören, ist aber in Ordnung, weil es zum menschlichen Verhalten gehört. Aber: Bitte nicht übertreiben mit Bade- und Duschorgien. 1991 hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf einen Chirurgen dazu verpflichtet, die späte Körperpflege auf eine halbe Stunde zu begrenzen.

Der Ehekrach

Tatsächlich, auch der ist erlaubt. Doch wenn, dann heftig aber kurz. Familienstreit muss der Nachbar zwar ertragen: Aber nicht zu lang und auf Dauer. 1991 verhängte das Amtsgericht Düsseldorf eine Geldbuße von 500 Euro gegen einen Beklagten, weil er sich an mehreren Tagen hintereinander mit seiner Frau gestritten hatte - und das jeweils mindestens eine halbe Stunde und auch mal bis deutlich nach Mitternacht.

Sichtschutz

Der Mieter kann sein kleines Freiluft-Paradies prinzipiell so gestalten, wie er möchte, allerdings darf er Gesamteindruck des Hauses nicht gestört werden. Wer sich vor Blicken der Nachbarn schützen will, kann zum Beispiel eine Bastmatte bis zur Balkonbrüstung anbringen, sofern das farblich halbwegs zur Fassade passt. Ein Tarnnetz der Bundeswehr muss hingegen kein Vermieter durchgehen lassen.

Der grundsätzliche Rat

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Erst mal selbst den Verursacher der Ruhestörung ansprechen und versuchen, die Situation im wahrsten Sinne zu "beruhigen". Ansonsten rät zum Beispiel das Umweltbundesamt mit den anderen Nachbarinnen und Nachbarn zu sprechen, ob diese sich auch gestört fühlen.

Man kann sich ebenso an den Vermieter oder die Hausverwaltung wenden. Der nächste Ansprechpartner ist dann die Ordnungsbehörde, was dann auch die Polizei ist, die vorbei kommt.

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 1.8.2019, 5-9 Uhr

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