Handschrift, Schreibende Hände

Die Handschrift gehört zum Menschen wie Mimik, Gestik oder Körperhaltung – und sie sagt auch ähnlich viel über ihn aus. Was man aus der Handschrift ablesen kann und was nicht, haben wir eine Expertin gefragt.

Diese Szene ist Ihnen bestimmt schon einmal in einer Krimi-Serie begegnet: Ein Experte beugt sich kurz über die Handschrift eines unbekannten Mörders und kann sofort sagen, dass es sich um einen mittelalten, männlichen Psychopathen handeln muss. Geht das wirklich? Wir haben die Graphologin Rosemarie Gosemärker gefragt, was die Handschrift tatsächlich aussagen kann und warum es so wichtig ist, mit der Hand zu schreiben.

Das kann man an der Handschrift erkennen

An der Handschrift lassen sich zahlreiche Persönlichkeitsmerkmale ablesen, so Rosemarie Gosemärker. Es lässt sich zum Beispiel erkennen, welche sozialen Fähigkeiten der Schreiber oder die Schreiberin hat, ob er oder sie eher strukturiert und analytisch oder kreativ denkt, wie die Person an Aufgaben herangeht und auf welche Weise sie kommuniziert. Auch Rückschlüsse darauf, ob der oder die UrheberIn eher warm und emotional oder kühl und distanziert ist, lassen sich aus der Betrachtung der Handschrift ziehen.

Wichtig dabei: Einzelne Merkmale bedeuten dabei gar nichts. Ob das S nun eher verschnörkelt ist, die Buchstaben eng beisammen stehen oder die Schrift geneigt ist – Erkenntnisse lassen sich erst aus der Betrachtung des gesamten Schriftbilds gewinnen. Auch die Situation, in der geschrieben wurde, das Alter und die Geübtheit des oder der Schreibenden muss in die Analyse einbezogen werden.

Das kann man an der Handschrift nicht erkennen

Das Beispiel zu Beginn dieses Artikels wäre in der Realität nicht möglich: An der Handschrift lassen sich weder das Geschlecht noch das Alter ablesen. Auch Krankheiten des oder der UrheberIn kann man an der Schrift nicht erkennen – "und das Genie leider auch nicht", so Gosemärker.

Darum ist Handschrift wichtig

Rosemarie Gosemärker betont im Gespräch, dass vor allem Kinder unbedingt mit der Hand schreiben sollten. "Das Schreiben hinterlässt Spuren im Hirn", sagt die Expertin. Untersuchungen bei Studenten zeigen: Handschriftliche Notizen helfen beim Erinnern deutlich besser als digitale. Das gilt übrigens für alle Menschen gleichermaßen, unabhängig davon, wie jeder einzelne am besten lernt.

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Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 1.12. 2020, 9-12 Uhr

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