Papst Franziskus
Papst Franziskus trat als Hoffnungsträger an - doch der Lack ist mittlerweile ziemlich ab. Bild © picture-alliance/dpa

Es ist das erste Treffen dieser Art in der Geschichte der katholischen Kirche. Papst Franziskus lädt zu einem Gipfeltreffen, um Missbrauch von Kindern zu verhindern und Vertuschung den Kampf anzusagen. Hier die wichtigsten Fragen:

Warum findet das Spitzentreffen statt?

Die ersten Missbrauchsfälle kamen schon vor Jahrzehnten ans Licht, der Vatikan nennt als erstes den Skandal 1984 in Kanada. Mit Skandalen in den USA, in Irland, Deutschland, Chile und in vielen anderen Ländern wurde der Druck auf die Kirche immer stärker. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich als erster Papst dem Thema gestellt und sich mit Opfern getroffen. Franziskus spricht immer wieder von "Null Toleranz" gegenüber Tätern. Doch in vielen Teilen der Kirche herrscht immer noch Widerstand gegen die Aufklärung.

Wer ist dabei und was wird diskutiert?

Neben dem Papst kommen rund 110 Chefs der Bischofskonferenzen der Welt, aus Deutschland Kardinal Reinhard Marx. Auch Vertreter der römischen Kurie, darunter der Glaubenskongregation, und von Orden und Religionsgemeinschaften sind dabei. Kritisiert wurde, dass nur etwa zehn Frauen eingeladen wurden. Das Treffen ist in drei Themen gegliedert: Verantwortung, Rechenschaftspflicht und Transparenz. Für viele Opfer wiegt schwer, dass Täter von ihren Vorgesetzten gedeckt und nie bestraft wurden. Auf den Tisch kommen soll auch das Machtgefüge in der Kirche, in der männliche Geistliche das Sagen haben und sich einige Kirchenobere für etwas Besseres halten.

Was sind die Ziele?

"Schweigen ist inakzeptabel", sagt der Erzbischof von Malta, Charles Scicluna, der zum Vorbereitungskomitee gehört. Am Ende soll jeder Bischof in jedem Winkel der Welt die kirchenrechtlichen Verfahren kennen und nicht mehr sagen: Bei uns gibt es sowas nicht. Der deutsche Pater Hans Zollner, der auch zum Vorbereitungskomitee gehört, will Frauen und Laien - also nicht Geistliche - stärker in den Prozess der Machtkontrolle einbinden. Ihm schweben auch "Task Forces" bei den Bischofskonferenzen vor, die in den einzelnen Ländern helfen sollen, Leitlinien zum Kinderschutz umzusetzen.

Sehen Sie hier ein Video auf tagesschau.de zum Thema "Missbrauch in der katholischen Kirche":

Was sind die Probleme?

Missbrauch von Kindern wird in der Welt kontrovers diskutiert. In afrikanischen und asiatischen Ländern oder im Nahen Osten ist das Thema nicht so prominent wie in Deutschland oder den USA. Es hängt auch immer vom Kontext ab, wie Missbrauch in der jeweiligen Region in der gesamten Gesellschaft gesehen wird. Auch in der Kurie gibt es Widerstand gegen die Aufklärung. Dazu gehören auch konservative Gegner von Franziskus, die sich generell gegen Änderungen in der Kirche wehren.

Was wollen Opfer und Kirchenreformer erreichen?

Sie wollen vor allem konkrete Taten des Vatikans. Dazu gehört eine Änderung des Kirchenrechts. Priester, Bischöfe und Kardinäle sollen zum Beispiel umgehend aus dem Klerikerstand entlassen werden, wenn sie sich des Missbrauchs oder der Vertuschung schuldig machen. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" fordert klare Anweisungen, wie mit Verdachtsfällen umzugehen ist. Zudem müsse die Kirche weltweit sexuellen Missbrauch als Verbrechen anerkennen und einräumen, dass eine "verbotsorientierte Sexualmoral" Missbrauch begünstige.

Welche Rolle spielen die Opfer bei dem Treffen?

Sie werden an der Konferenz nicht direkt teilnehmen. Der Vatikan hat die Chefs der nationalen Bischofskonferenzen aber aufgefordert, vor dem Gipfel Opfer zu treffen. Zu Beginn der Konferenz sollen Zeugenberichte per Video abgespielt werden. Auch jeweils ein Opfer soll beim Abendgebet Zeugnis ablegen. Am Rande des Gipfels finden jeden Tag Pressekonferenzen und Demonstrationen von Opfervereinigungen statt. Vor dem Gipfel war ein Treffen mit den Organisatoren angesetzt.

Wird es konkrete Beschlüsse geben?

Das Gremium kann keine bindenden Beschlüsse fassen. Es ist bisher auch keine Abschlusserklärung geplant. Der Papst wird aber am Ende der Konferenz eine Rede halten und das Treffen abrunden.

Was steht für den Papst auf dem Spiel?

Franziskus trat einst als Hoffnungsträger an. Doch der Lack ist mittlerweile ziemlich ab. Beweist er jetzt, dass er sich auch gegen seine konservativen Gegner durchsetzt? Dann wird seine Glaubwürdigkeit wieder steigen und das Vertrauen in die Kirche auch. Bleibt alles beim alten und es werden keine wirklichen Neuerungen in Folge des Gipfels eintreten? Dann wird auch seine Popularität sinken und seine Autorität schwinden.

Lesen Sie hier "Die Geheimarchive der Kirche" auf hr-inforadio.de:

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 21.02.2019, 5-9 Uhr

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