Pop Up Radweg in Frankfurt

Es gibt sie weltweit und immer öfter auch in Hessen: Sogenannte Pop Up Bike Lanes, also temporäre Radwege. Sie tauchen plötzlich auf und vermitteln für ein paar Stunden ein Bild davon, wie Radfahrer vermehrt unterwegs sein könnten, wenn Politik und Verwaltung ihnen den Platz einräumen würden.

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zum hessenschau.de Video Demos für sichere Radwege

hessenschau vom 23.05.2020
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Bereits am 23. Mai fand ein bundesweiter Aktionstag in über 30 deutschen Städten statt, bei dem auf den fehlenden Platz für Fußgänger und Radfahrer hingewiesen wurde. Auch hessische Städte wie Kassel, Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und Wiesbaden beteiligten sich an der Protestaktion, die auf die Rechte der Radfahrer aufmerksam machen soll.

Keine Demo-Aktion, sondern produktives Praxisbeispiel

Fahrrad-Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace legten dafür in Absprache mit Polizei und Ordnungsamt temporäre Radspuren an, die per Pylonen, Sprühkreide, Blumenkübeln oder Signalfarben fix dem Autoverkehr abgezwackt werden. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) unterstützt diese Aktionen. Wichtig ist, dass sich die temporäre Fahrradspur baulich deutlich vom Rest des Verkehrs abgrenzt.

Pop Up Bike Lane in Dortmund

Pop Up Bike Lanes verstehen sich also weniger als Demo-Aktion, sondern vielmehr als ein produktives Praxisbeispiel. Sie machen auf Verkehrsstellen aufmerksam, die keine oder nur eine unzureichende beziehungsweise schlechte Radinfrastruktur aufweisen. Pop Up Bike Lanes zeigen für wenige Stunden und jenseits aller Planfeststellungsverfahren, wie eine fahrradfreundliche Infrastruktur aussehen kann und welchen Einfluss sie auf den fließenden Verkehr hat. Zumindest für ein paar Stunden kann so ein geschützter Radfahrstreifen Realität werden.

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zum hessenschau.de Video Hessen investiert in Radwege

hs
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Berlin ist Vorreiter, Erfindung kommt aus den USA

Viele Städte weltweit haben sich mittlerweile zu Pop Up Bike Lanes durchringen können. Berlin ist in Deutschland und auch Europa Vorreiter. Felix Weisbrich, seit 2019 Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes von Friedrichshain-Kreuzberg und mitverantwortlich für die Verkehrssicherheit in dem Berliner Bezirk, ließ nach Ausbruch der Coronakrise den europaweit ersten Pop Up-Radweg einrichten - am 25. März am Halleschen Ufer mitten in Kreuzberg.

Felix Weisbrich

Die ursprüngliche Idee kommt aus den USA, wo es weniger Regelungen bei der Einrichtung von Radfahrstreifen gibt. Mit den temporären Bike-Lanes konnte Politikern, Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern eindrucksvoll gezeigt werden, wie eine veränderte Aufteilung des Verkehrsraumes wirkt.

So starten Sie selbst eine Initiative

Pop Up Bike Lanes zu organisieren, ist allerdings nicht einfach. Es erfordert einen langen zeitlichen Vorlauf, da die Verwaltungen eingebunden und oft erst überzeugt werden müssen. Wenn Sie in Ihrem Wohnort selbst eine Initiative starten wollen, hilft Ihnen die Anleitung des VCD Verkehrsclubs Deutschland e.V. weiter. Darin erfahren Sie alles, was wichtig ist.

Fahrrad-Boom nimmt dank Corona immer mehr zu

Das Radfahren in der Corona-Krise boomt - kein Wunder, denn diese Art der Fortbewegung ist relativ sicher, was das Infektionsrisiko mit Covid-19 betrifft. Aber leider mitunter sehr unsicher mit Blick auf den Straßenverkehr - insbesondere in den großen Innenstädten.

1,5 Meter Abstand - das ist nicht nur wegen Corona geboten, sondern laut Straßenverkehrsordnung auch für Autofahrer beim Überholen von Radfahrern in Innenstädten vorgeschrieben. Wie selten dieser Abstand eingehalten wird, kann jeder, der mit dem Rad unterwegs ist, am eigenen Leib erfahren. Auch darum werden ausreichend breite Radwege dringend gebraucht.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 3.6.2020, 5-9 Uhr

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