Posaunenchor

Wir haben in Hessen einige uralte Traditionen und Weihnachtsbräuche, die bis heute praktiziert werden. Ein paar davon stellen wir in den nächsten Tagen vor: Kurrende-Blasen, Heubündel tragen oder Christkindwiegen - so manche alten Bräuche werden bis heute in verschiedenen Regionen Hessens gepflegt.

Montag: Heubündel-Tragen

Heubündelausgabe im Heimatmuseum Leeheim

Dieser Brauch ist mindestens 150 Jahre alt: An Heiligabend laufen die Kinder in Riedstadt-Leeheim mit Heubündeln durch den Ort. Die Bündel sind für den Esel vom Christkind bestimmt und werden symbolisch bei den Eltern, Großeltern oder Verwandten der Kinder an die Haustür gehängt. Das Heubündel steht symbolisch für das Futter, das der Esel des Christkindes bekommt, der den Geschenkeschlitten zieht. Dazu wird manchmal ein Gedicht aufgesagt: "Christkind, komm in unser Haus. Pack die großen Taschen aus. Stell den Esel auf den Mist, dass er Heu und Hafer frisst. Heu und Hafer frisst er nicht, Zuckerplätzchen kriegt er nicht!"

Von 16 - 16:30 Uhr läuten die Glocken ein erstes Mal. Die Kinder tragen die Heubündel durch den Ort und hängen sie an die Türen. Von 20 - 20:30 Uhr ist das zweite Glockenläuten. Dann kommt das Christkind vom Himmel. Nachts zwischen 4 und 4:30 Uhr läuten die Glocken zum dritten Mal. Das Christkind geht zurück in den Himmel. Bis dahin muss das Heubündel verschwunden sein und solange dürfen die Kinder wachbleiben. Stolze 450 Heubündel wurden im vergangenen Jahr beim Heimat- und Geschichtsverein Riedstadt-Leeheim abgeholt.

Dienstag: Christkindwiegen

Christkindwiegen in Alsfeld

Diesen fast 500 Jahre alten Brauch gibt es in Korbach, Bad Wildungen, Alsfeld und Affoldern. Jedes Jahr am Heiligabend steigen zum Beispiel in Korbach junge Männer die 264 Stufen des Turms der Kilians-Kirche hinauf, um in 92 Metern Höhe Lampions und Laternen auf- und abschwingen zu lassen - als Symbol des wiegenden Christkinds. Wenn die Glocken abends läuten, betreten sie den schmalen Umlauf des Turms, schwingen die Laternen und singen Weihnachtslieder. Früh am Morgen des ersten Feiertags wiederholt sich das Ganze.

In Bad Wildungen spielt der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr gegen 21:30 Uhr mit Trompeten, Posaunen und Hörnern oben auf dem Turm der Stadtkirche. Dazu schwenken sie Fackeln. Und in Affoldern wiegt der Posaunenchor das Christkind am späten Abend (gegen 22 Uhr) mit Weihnachtsliedern "in den Schlaf" - allerdings auf dem Pfarrhof neben der Kirche.

In Korbach ist der Brauch schon seit 1543 nachgewiesen. Die Überlieferung sagt, dass die Gemeinde damals von der Pest heimgesucht wurde. Viele Kranke mussten in der Kilians-Kirche untergebracht werden und wegen der hohen Ansteckungsgefahr konnte zu Weihnachten keine Messe gefeiert werden. Deshalb haben einige gesunde Männer Fackeln und Laternen hoch auf den Kirchturm getragen, haben sie in alle vier Himmelsrichtungen geschwungen und dabei Weihnachtslieder gesungen. Sie wollten so die Weihnachtsbotschaft verkünden und dem Christkind damit den Weg in die Stadt weisen. Weil danach - so die Legende - die Pest tatsächlich überstanden war, wurde der Brauch jedes Jahr wiederholt!

Mittwoch: Ausplatzen

Ausplatzen - mit der Peitsche knallen

In Battenberg-Laisa ziehen am 27. Dezember junge Männer mit Peitschen durch das Dorf und halten bei den Häusern, in denen konfirmierte, aber noch unverheiratete Mädchen wohnen. Die Mädchen werden vor das Haus gebeten und drei der Jungs - die sogenannten "Platzer" - beginnen im Takt mit der Peitsche zu knallen. Nach einigen Minuten kommt eine zweite Gruppe junger Männer an die Reihe. Danach trinken die Jungs mit dem Mädchen einen Schluck - meistens einen selbstgebrauten Schnaps - bevor sie zum Haus des nächsten Mädchens weiterziehen, das ausgeplatzt werden soll. Abends treffen sich dann alle zum gemeinsamen Essen und Feiern.

Der Ursprung des Ausplatzens liegt darin, dass Dienstmädchen oder Mägde am 27. Dezember ihre alte Stellung verlassen haben - entweder um zu heiraten oder um auf einen neuen Hof weiterzuziehen. Wo eine Magd ausgegangen ist, haben unverheiratete Burschen sie zum Ortsausgang begleitet und dabei mit der Peitsche geknallt um böse Geister zu vertreiben, Unheil fernzuhalten und um sich als Ehemänner anzubieten.

Wie das Peitschenknallen funktioniert, sehen Sie in diesem Video.

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Donnerstag: Kurrende-Blasen

Posaunenchor

Beim Kurrende-Blasen ziehen Posaunenchöre durch den Ort und spielen an verschiedenen Stationen Weihnachtslieder. Oft singen dabei viele Familien mit oder packen eigene Instrumente aus. In Frankfurt-Oberrad hält der Posaunenchor der Erlösergemeinde diese Tradition schon seit 1927 am Leben. Gepflegt wird der Brauch auch in Lampertheim-Hofheim im Kreis Bergstraße, wo die Kurrende-Bläser im vergangenen Jahr das 75. Jubiläum gefeiert haben.

Der Ursprung des Kurrende-Blasen kommt vom Kurrende-Singen. Das wurde seit dem 16. Jahrhundert von armen Sängerinnen und Sängern in der Vorweihnachtzeit praktiziert. Eine Kurrende war eine Art Schulchor aus bedürftigen Schülern, der auf Festen für Geld gesungen hat. Doch schon vor längerer Zeit haben Posaunenchöre das Modell der Sänger übernommen. Der Begriff "Kurrende" stammt übrigens von dem lateinischen Wort "currere" (laufen).

Freitag: Bündel tragen

Nach altem Brauch bringt am 2. Weihnachtsfeiertag der Pate oder die Patin ihrem Patenkind Geschenke - eingschnürt in ein Bündel. Früher war das ein Stoffbündel, heute ist es meist Papier. Gefüllt ist das Geschenk mit Süßigkeiten, Spielzeug oder auch mit Geld. Gemäß der alten Tradition ist aber mit der Kommunion, der Konfirmation oder ab zwölf Jahren Schluss mit den Bündeln.

Der Brauch reicht zurück in die Zeit der Rhönbauern im 12./13. Jahrhundert. Damals haben die Paten Backwerk wie Brezeln oder Wecken, Süßes oder Kleidungsstoff und auch Wolle in ein Leinentuch geschnürt. Als Bündel über die Schulter geworfen wurde es dann teils kilometerweit durch den Schnee getragen um vor allem die ärmlichen Bauernkinder zu unterstützen. Wurde das Kind zu alt, schnitt man das Bündel symbolisch ab und die Schenkerei war zu Ende. Dazu bekamen die Jungs ein Messer und die Mädchen eine Schere, da man als Stallknecht oder Magd schon im jungen Alter eine Stellung antreten musste.

Sendung: hr1, hr1-Koschwitz am Morgen, 7.12.-11.12.2020, 5-9 Uhr

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