Fakten zur Weihnachtsgeschichte

Klar, die Weihnachtsgeschichte ist so gut wie jedem ein Begriff. Doch kennen Sie sich eigentlich auch gut mit der Symbolik in der Geschichte aus? Lothar Bauerochse, unser hr1-Moderator und Redakteur für Religions-Themen, hat die wichtigsten Fakten rund um die Weihnachtsgeschichte mal für Sie zusammengestellt.

Bethlehem

Jesus ist keineswegs zufällig in Bethlehem geboren worden. Seine Eltern Maria und Josef lebten ja eigentlich im Norden Israels, in Nazareth. Wegen einer anstehenden Volkszählung der Römer reiste Josef mit der schwangeren Maria zu Fuß nach Bethlehem, wo seine Familie herstammte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Die große Luther-Hörbibel 2017", gelesen von Rufus Beck

Rufus Beck
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Das Städtchen südlich von Jerusalem ist gleich mehrfach theologisch bedeutsam. Einerseits erwartet das Judentum den Messias aus einer judäischen Stadt, eben aus Bethlehem, der Stadt des legendären Königs David. Darüber hinaus aber gilt die Stadt als die kleinste der Städte in der Provinz Judäa. Und steht deshalb als Symbol dafür, dass Gott besonders den Kleinen und Schwachen nahe sein will (vgl. Die Hirten).

Maria und Josef

Der hebräische Name Maria bedeutet "Geliebte Gottes". Sie ist überraschend schwanger. Maria wird dargestellt als junges Mädchen, dem etwas Rätselhaftes passiert, was sie auch nicht versteht. Aber sie vertraut einer Zusage Gottes, dass ein göttliches Kind in ihr heranwächst. In der Tradition gilt sie als die "neue Eva" (vgl. Der Tannenbaum und die Roten Kugeln), die Gott gehorsam ist.

Josef ist der "Mann am Rande". So sehr am Rand, dass er in frühen Krippendarstellungen sogar ganz fehlt. Von ihm wird berichtet, dass er mit dem Gedanken gespielt hat, Maria mit ihrem Kind zu verlassen. Erst als ihm im Traum ein Engel erscheint und ihm Mut zu spricht, bekennt er sich zu der schwangeren Maria. Er wird oft nachdenklich-zweifelnd dargestellt und gilt als Identifikationsfigur für alle Zweifler.

Der Stall

In der Bibel ist es ein wichtiges Motiv, dass Gott in die Welt kommt und in Beziehung treten will mit den Menschen. Aber die Menschen lehnen ihn ab, sie nehmen ihn nicht auf. Dafür steht symbolisch der Stall mit der Krippe sowie Ochse und Esel. Maria und Josef fanden auf ihrer Reise keine richtige Unterkunft. Trotz der einsetzenden Wehen werden sie überall abgewiesen. Deshalb kommt das Jesuskind in einem Stall (in manchen Darstellungen auch in einer Höhle) zur Welt und wird (nur) von einer Krippe aufgenommen.

Ochse und Esel

Die beiden Tiere gehören zur Grundausstattung jeder Krippendarstellung. Auch sie haben Symbolcharakter. In einer Rede des Propheten Jesaja in der hebräischen Bibel ist davon die Rede, dass die Menschen keine Einsicht zeigen, aber "der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe des Herrn". Wie auch der Stall symbolisieren Ochse und Esel schon bei der Geburt Jesu sein späteres Schicksal, nämlich die Ablehnung durch die Menschen und die Kreuzigung.

Die Hirten

Die Hirten, von denen die biblische Weihnachtsgeschichte erzählt, sind die ersten, die sich dem Jesuskind zuwenden und das Besondere dieser Geburt erkennen. Zu der damaligen Zeit gehörten Hirten dem niedrigsten Stand an. Ihre Arbeit galt als minderwertig. Sie wurden für unehrlich gehalten. Dass die Engel ausgerechnet Ihnen zuerst die "frohe Botschaft" von der Geburt des Gotteskindes verkünden, hat eine besondere Bedeutung: Gerade für diese Menschen, die von allen anderen verachtet werden, kommt der Messias.

Die Heiligen Drei Könige

In der Bibel ist – nur im Matthäus-Evangelium – von Magiern bzw. Sterndeutern die Rede, die einen Stern gesehen haben und diesem bis nach Bethlehem gefolgt sind. Weder ihre Zahl noch ihre Herkunft werden erwähnt. Erst im fünften Jahrhundert nach Christus werden aus den Magiern Könige. Dass es drei waren, folgerte man aus den drei Geschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe. Erst im neunten Jahrhundert werden ihre drei Namen Caspar (persisch: Schatzmeister), Melchior (= Gottesschutz) und Balthasar (= Lichtkönig) üblich. Man sah in ihnen einerseits ein Symbol für die drei Lebensalter: Jüngling, Mann und Greis. Sie galten aber auch als Vertreter der damals bekannten Kontinente Asien, Europa und Afrika. Deswegen werden sie mit den jeweils typischen Tieren Kamel, Pferd und Elefant dargestellt. Sie symbolisieren, dass alle Völker der Erde sich dem Licht des neugeborenen Gotteskindes zuwenden und dass das Jesuskind eine frohe Botschaft ist für die ganze Welt.

Gold, Weihrauch, Myrrhe

Die drei Geschenke, die laut der Bibel die Magier mitbringen, sind symbolische Geschenke, die das neugeborene Kind als göttliches Königskind verehren. Mit dem Gold wird das Kind durch das Kostbarste geehrt, was die Erde hervorbringt und was nur dem König zusteht. Myrrhe ist ein bitter schmeckender, wohlriechender Saft, der aus der Rinde einer Art des Balsambaumes sickert. Beim Trocknen kristalisiert er zu weißlich-rötlichen Körnern, die beim Verbrennen Duft erzeugen. Der galt in der Antike als heilsam. Myrrhe wurde in Getränken als schmerzlinderndes Betäubungsmittel eingesetzt aber auch zur Einbalsamierung von Verstorbenen verwendet. Das Geschenk der Myrrhe weist also schon bei der Geburt auf den Tod Jesu am Kreuz hin. Weihrauch besteht aus dem Harz zweier Arten des Boswelliabaumes, das – kristallisiert – als gelblich, schwach durchsichtige Körner, verbrannt wird. Weihrauch gilt als Gottesduft. Ihm wurde die Wirkung zugeschrieben, Verbindung mit der göttlichen Welt herzustellen. Als Geschenk weist der Weihrauch auf die Göttlichkeit des neugeborenen Kindes hin.

Der Tannenbaum und die roten Kugeln

Der "Christbaum" hat seine Wurzeln im mittelalterlichen Krippenspiel. Vor dem eigentlichen Krippenspiel gab es in den Kirchen noch ein "Paradiesspiel". Ein immergrüner Baum symbolisierte den Paradiesbaum, die roten Kugeln die verbotenen "Äpfel", von denen ja bekanntermaßen Eva einen Adam zum Naschen gab. Das endete, wie in der Bibel nachzulesen ist, mit der Vertreibung aus dem Paradies. Der Tannenbaum mit seinen roten Kugeln symbolisiert zu Weihnachten: Mit Jesu Geburt ist der Weg zurück ins Paradies wieder offen.

Erst 1605 wird aus Straßburg vom ersten Weihnachtsbaum im heimischen Wohnzimmer berichtet. Zunächst stellten nur evangelische Familien den Christbaum auf – als Gegensymbol zur Weihnachtskrippe in katholischen Familien. 1748 kommt der Weihnachtsbaum auch nach Amerika. Mitgebracht von hessischen Soldaten, die nach Amerika "vermietet" wurden.

Sendung: hr1, hr1 am Sonntagmorgen, 15.12.2019, 6 - 10 Uhr

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