WhatsApp

Zahlreiche Nutzer von WhatsApp werden seit Kurzem vom Messenger-Dienst dazu aufgefordert, die neuen AGB zu akzeptieren. Damit soll der lang ersehnte Datenaustausch mit Facebook ermöglicht werden. Doch eine Sprecherin von WhatsApp rudert schon wieder zurück. Verbraucher sind verunsichert, können aber widersprechen.

Seit dem 6. Januar verschickt WhatsApp an alle Nutzer*innen sogenannte In-App-Benachrichtigungen, in denen die bevorstehende AGB-Änderungen angekündigt werden. Demnach haben die Empfänger die Wahl: Entweder man akzeptiert die Änderungen sofort oder man verschiebt seine Entscheidung auf später. Doch wer bis 8. Februar 2021 nicht zustimmt, kann den Dienst dann nicht mehr nutzen, so Whatsapp.

Whatsapp setzt Nutzer*innen Pistole auf die Brust

Die Änderung der AGB besteht weitestgehend in der Regelung der Zusammenarbeit zwischen Whatsapp und Facebook, die somit verpflichtend festgeschrieben wird. Und diese Zusammenarbeit ist weitreichender als gedacht, wie man in den aktuellen WhatsApp-AGB nachlesen kann.

Anders formuliert darf WhatsApp also künftig alle Nutzerdaten an Facebook übermitteln - ganz ohne Hindernisse. Das Recht räumt sich der Betreiber übrigens für alle zu Facebook gehörenden Unternehmen ein, also auch für die Foto- und Videoplattform Instagram. Bei allen zu Facebook gehörenden Unternehmen bestand bislang die Möglichkeit, dem Teilen der eigenen Account-Informationen mit Facebook zu widersprechen. Diese soll jetzt wegfallen.

WhatsApp verstößt damit gegen Auflagen

Doch damit verstößt WhatsApp nun gegen die Auflagen des Bundeskartellamtes, welches Facebook nach dem Kauf des Messengers auferlegt hatte, dass die Nutzer die freie Entscheidung haben müssten. Also Zustimmung oder Ablehnung dieser Datenzusammenführung. Das stellt Mark Zuckerberg nun mit diesen neuen Bedingungen in Frage. Das letzte Wort ist da aber mit Sicherheit noch nicht gesprochen. Offenbar hat die EU bereits Druck gemacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wir bezahlen die Nutzung von Whatsapp mit unseren Daten"

Neue Nachricht bei Whatsapp
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Am Donnerstag, den 7. Januar, twitterte eine Sprecherin von WhatsApp, dass die Daten der EU-Bürger nicht für Werbezwecke genutzt werden sollen. Und Facebook schreibt: "Wer die Datenweitergabe schon 2016 abgelehnt hat, für den gilt das nach wie vor, der muss nichts machen." Nur ist das für die Nutzer nicht nachvollziehbar, weil diese Einstellung nicht auf dem Smartphone gespeichert wurde.

Mutterkonzern Facebook will Fakten schaffen

Der Hintergrund des Ganzen ist ein Gesetz, das die Europäische Union derzeit vorbereitet. Das soll solche Machenschaften künftig innerhalb der EU verhindern. Es geht um den sogenannten "Digital Services Act". Es ist zu vermuten, dass Facebook vorgeprescht ist, um Tatsachen zu schaffen und das neue Gesetz vor Inkrafttreten zu umgehen. Denn die EU will das, was Facebook nun mit WhatsApp vorhat, gänzlich verhindern: Nämlich den Zugang zu einem Produkt nur dann zu gestatten, wenn dieses Produkt mit allen anderen des Konzerns digital vernetzt wird.

So kann man Widerspruch einlegen

Wer auf seinem Handy die neuen AGBs schon akzeptiert hat, kann dagegen Widerspruch einlegen, indem er eine E-Mail mit dem Betreff "Widerspruch" an die folgende Adresse schreibt: objection.eu@support.whatsapp.com. Allerdings scheint die Adresse inzwischen blockiert zu sein. Vermutlich sind bereits zu viele Mails eingegangen. Die Absender erhielten folgende automatische Antwort:

Zitat
„Ihre Nachricht wurde aufgrund eines Berechtigungs- oder Sicherheitsproblems nicht zugestellt. Sie wurde möglicherweise von einem Moderator zurückgewiesen, über die Adresse können nur E-Mails von bestimmten Absendern empfangen werden, oder eine weitere Einschränkung verhindert die Zustellung der Nachricht.“ Zitat von Zitat von WhatsApp
Zitat Ende

Wenn Sie per Mail widersprechen wollen, müssen Sie laut WhatsApp folgende Informationen liefern:

  • Vollständiger Name
  • E-Mail-Adresse
  • WhatsApp Telefonnummer
  • Land, in dem man lebt
  • Telefonmodell - Hersteller und genaue Modellbezeichnung des Geräts
  • Softwareversion des Betriebssystems des Telefons
  • Gegen welche Datenverarbeitungsaktivität(en) man Widerspruch einlegen möchte
  • Welche Rechte und Freiheiten Ihrer Meinung nach durch die Verarbeitung der Daten beeinträchtigt werden und warum
  • Alle weiteren Informationen, die WhatsApp dabei helfen, den Widerspruch zu prüfen.

WhatsApp behält sich vor, nur Anfragen zu bearbeiten, wenn alle oben genannten Informationen zur Verfügung gestellt werden. Ist dies nicht der Fall und WhatsApp lehnt die Anfrage ab, kann man sich bis 30 Tage nach Stellung der Anfrage an die Irische Datenschutzkommission wenden, welche die Hauptaufsichtsbehörde von WhatsApp ist (www.dataprotection.ie). Alternativ kann man sich an seine lokale Datenschutzbehörde wenden und eine Klage vor Gericht erheben.

Es gibt viele Alternativen zu WhatsApp

Wem das alles nicht passt, der sollte sich schon mal so langsam nach ein paar Alternativen unter den kostenlosen Nachrichtendiensten umschauen. Wir haben Ihnen einige Vorschläge zusammengestellt:

In einer früheren Version des Artikels haben wir berichtet, dass man den Messenger-Dienst WhatsApp nicht mehr nutzen kann, wenn man die neuen AGBs nicht annimmt. Nach dem Tweet der Unternehmenssprecherin haben wir unseren Artikel entsprechend aktualisiert.

Sendung: hr1, hr1 am Mittag, 7.1.2021, 12-15 Uhr

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