Symbolbild: Kind mit Smartphone, auf dem ein WhatsApp-Symbol leuchtet

Für ahnungslose Eltern eine Horrorvorstellung: Der Nachwuchs unterhält sich via Messaging-Apps auf dem Handy völlig ungeschützt mit potentiellen Kinderschändern. Dabei werden nicht nur Nachrichten, sondern auch Fotos und Videos ausgetauscht. Eine neue App namens WhatsSafe soll dies nun verhindern.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Cyber-Grooming: betroffene Jugendliche berichten

Cyber-Grooming
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Ein Startup-Unternehmen aus Darmstadt hat die WhatsSafe-App entwickelt, die Kinder vor Pädokriminellen im Internet schützen soll. WhatsSafe ist auf die Erkennung von Cyber-Grooming - also die sexuelle Belästigung von Kindern in Chats - spezialisiert. Die Zielgruppe von WhatsSafe sind Eltern, die die Chatverläufe ihrer Kinder kontrollieren wollen.

Übrigens, Cyber-Grooming ist seit 2004 in Deutschland gesetzlich verboten und kann laut § 176 Absatz 4, Nr. 3 des Strafgesetzbuches mit einem Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Spezieller Algorithmus durchforstet Chats der Kinder

So funktioniert die App: Nach dem Einscannen eines QR-Codes durchsucht WhatsSafe in regelmäßgen Abständen die Chats auf dem Handy Ihres Kindes. Dies geschieht anhand eines speziellen Algorithmus, der nach verdächtigen Inhalten Ausschau hält. Hier finden Sie die genaue Anleitung, wie WhatsSafe auf Android- oder Apple-Geräten installiert und benutzt wird.

Erschreckend: Laut einer Studie von 2014 wurden bereits 20 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren im Internet mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen. Acht Prozent hatten es schon einmal mit Sexting (Verschicken von Nacktaufnahmen) zu tun.

Weitere Informationen

Darauf ist WhatsSafe spezialisiert:

  • Harte und direkte sexuelle Kommunikation
  • Vortäuschen einer falschen Identität
  • Versuch, an Fotos oder Videos heran zu kommen
  • Langwierige Manipulation
  • direkte Beleidigungen
  • Cyber-Mobbing
  • Cyber-Grooming
  • Sextortion (sexuelle Erpressung)
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Eltern erhalten Warnung per Mail

Durch die Anwendung werden beliebte Chatprogramme wie WhatsApp akribisch durchforstet, ohne dass die Eltern Zeile für Zeile mitlesen müssen. Wenn das System entsprechende Inhalte findet, erhalten die Eltern eine Warnung per E-Mail.

Nach einer Alarmierung sollten die Erziehungsberechtigten die entsprechende Korrespondenz auf dem Smartphone des Kindes ansehen und das Kind fragen, ob und woher es den Chat-Partner eigentlich kennt. Gibt es den Versuch einer sexuellen Annäherung, sollte der Kontakt blockiert werden. Bei WhatsSafe handelt es sich im Übrigen nicht um eine Spionage-App mit Vollüberwachung, sondern nur um eine reine Sicherheitslösung.

Doch was genau wird eigentlich auf dem Handy der Kinder durchleuchtet? "WhatsSafe liest Nachrichten nur ab dem Verbindungszeitpunkt aus. Vorherige Nachrichten liest es nicht. Desweiteren schaut es sich keine Fotos oder Videos an und hört auch keine Sprachnachrichten mit", heißt es auf der Webseite www.whatssafe.de.

Künstliche Intelligenz steckt dahinter

Die Algorithmen basieren auf künstlicher Intelligenz und funktionieren nach dem sogenannten Deep-Learning-System: Große Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen werden analysiert, mit dem vorhandenen Text verglichen und in die Auswertung miteinbezogen.

Da viele Pädokriminelle nicht gleich "mit der Tür ins Haus fallen", ist es manchmal schwer, eine normale von einer bedrohenden Konversation zu unterscheiden. Daher kann es sein, dass WhatsSafe auch mal in harmlosen Fällen anschlägt. Hier gilt die Devise: lieber einmal zu viel hinschauen, als einmal zu wenig.

Weitere Informationen

Weitere Infos zur App:

  • App für Android- und Apple-User nutzbar
  • App ist 14 Tage lang kostenlos testbar
  • Pakete kosten zwischen 4,99 Euro/Monat (1 Kind) und 49,99 Euro/Monat (bis zu 40 Kinder)
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WhatsSafe ist eine Weiterentwicklung der Privalino-App, die fünf junge Leute aus Deutschland entwickelt haben. Privalino war die Vorstufe eines Instant Messengers, der Kinder vor Pädokriminellen schützen und einen Beitrag zum Kampf gegen sexuellen Missbrauch leisten sollte. Die Weiterentwicklung der Privalino-App wurde inzwischen eingestellt und durch WhatsSafe ersetzt.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 8.4.2019, 9 Uhr

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