Stimmt es, was der Volksmund sagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Müsste es nicht heißen: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser? Das eine ist realistisch gedacht, das andere idealistisch… Was ist besser?

In Zeiten der Pandemie muss das Verhältnis von Kontrolle und Vertrauen täglich austariert werden. Die Quarantäne für Reiserückkehrer aus Risikogebieten kann von den Gesundheitsämtern nicht kontrolliert werden, hier muss der Staat Vertrauen in seine Bürger setzen. Aber die Maskenpflicht wird kontrolliert, dort wo es eng wird: im Zug oder in der U-Bahn zum Beispiel. Wir fragen nach, wie sich die Kontrolleure dabei fühlen und was sie erleben.

Kontrollzwang und seine Formen

Niemand möchte ständig unter Kontrolle leben. Das macht das Leben schwer. Es gibt aber Menschen, die von ihrer Persönlichkeit her schon sehr kontrolliert sind und eigentlich sich selbst permanent kontrollieren. Die sich wenig "Spielraum" geben, immer gefasst und diszipliniert sind.

Ein Teil des Lebens und der Vitalität bleibt dabei auf der Strecke, sagt der Psychologe im hr1-Gespräch. Aber wie lässt sich die eigene innere Kontrolle lösen und aufbrechen? Jeder von uns kennt die Versuchung, nochmal kurz in der Wohnung nachzuschauen, ob der Herd auch wirklich aus ist und die Kerze ausgeblasen. Wann wird diese Sorge zum Kontrollzwang? Und was steckt dahinter?

Das schlechte Gewissen

Polizeikontrolle

Kontrollstationen sind unangenehm, ob am Flughafen oder am Straßenrand: wir haben Personalausweis, Führerschein und Fahrzeugschein stets zur Hand, haben nichts geschmuggelt und sind nicht zu schnell gefahren. Dennoch ist eine Polizeikontrolle immer unangenehm. Warum eigentlich? Warum fallen uns dann alle Sünden ein, warum fährt das schlechte Gewissen immer mit?

Kontrolle beim TÜV

Auch wenn der TÜV-Prüfer mit dem Schraubenzieher von innen am Blech kratzt und stochert, dann geht uns das durch Mark und Bein. Wie unbarmherzig da die Schwachpunkte angezeigt werden. Auch der TÜV kann uns in Stress versetzen und uns Schweißperlen auf die Stirn zaubern, gerade wenn das Auto bereits ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Aber was wäre unser Straßenverkehr ohne diese sorgfältigen TÜV-Kontrollen? Wir wären alle wesentlich mehr gefährdet.

Lebensmittel aus "kontrolliertem" Anbau

Das ist der zentrale Sinn der Kontrolle: dass wir vertrauen können, eben weil kontrolliert wird. Zum Beispiel, wenn wir Gemüse aus "kontrolliertem" Anbau kaufen. Dann dürfen wir uns in der Sicherheit wiegen, dass da tatsächlich unbelastete Waren auf unseren Tisch kommen. Wir besuchen einen Betrieb, der mit dem Label "aus kontrolliertem Anbau" wirbt und fragen, wer da was und wie kontrolliert.

Wege-Kontrolleure auf Wald- und Wanderwegen

Kontrolleur kann übrigens auch ein sehr befriedigendes Ehrenamt sein. Dann etwa, wenn man als Wegewart durch Hessens wunderbare Wälder streift und dafür sorgt, dass alle Wege gut zu begehen und exakt beschildert sind. Hessen mit seinen vielen Wald- und Wanderwegen braucht viele solcher Wege-Kontrolleure, nach Stürmen und Regenfluten sind ihre Dienste besonders sicherheitsrelevant. Sie kontrollieren, damit viele Wanderer vertrauensvoll losmarschieren können.

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