Tim und Struppi

Heute vor 90 Jahren, am 10. Januar 1929, erschien das erste Abenteuer des rasenden Reporters und Detektivs mit seinem schneeweißen Hund. Mittlerweile kennt wohl jeder die beiden und der markante Zeichenstil ihres Schöpfers Hergé ist Kulturgut geworden.

90 Jahre Tim und Struppi

Mit 21 Jahren dachte sich der 1907 im belgischen Brüssel geborene Hergé den Reporter Tim und seinen weißen Foxterrier Struppi aus und schickte ihn anschließend in 24 Alben rund um den Globus. Hergé, wie sich George Remi nach seinen umgedrehten Initialen als Zeichner nannte, wollte ursprünglich Maler werden, ehe er sich auf den Comic fokussierte.

Weltenbummler

Durch seine Abenteuer auf allen Kontinenten, sogar auf dem Mond, den Tim und Struppi ganze 15 Jahre vor Neil Armstrong und Co. betreten, eröffnete der neugierige Abenteurer seinen Lesern buchstäblich die Welt: Tim und Struppi erkundeten Tibet und China, Indien und die Südsee, die Sowjetunion, die USA, Südamerika und Afrika.

Eingeprägt hat sich vor allem Hergés berühmte "ligne claire", "die klare Linie" seines Zeichenstils. Er setzte auf Flächigkeit, deutliche Konturen und Vereinfachungen. Eine Welt ohne viele Schatten, vieler farbiger Flächen, gezeichnet mit Präzision: Das ist die Welt von "Tim und Struppi".

Ein Mann ohne Zukunft und Vergangenheit

"Tintin", wie Tim im französischen Original heißt, bedeutet übersetzt "Nichts". Hergé hatte seinen Reporter so angelegt, dass er quasi als leere Identifikationsfigur dienen konnte, als nur über wenige Eigenschaften, geschweige denn eine Biografie, verfügende Projektionsfläche. Er ist aufopferungsvoll und höflich – und das sind denn auch schon Tims hervorstechende Charakterzüge. Sein Elternhaus bleibt ebenso im Dunkeln wie sein Liebesleben.

Seine Freunde sind es, die Leserinnen und Leser zum Lachen, Staunen und Mitfühlen bewegen: Struppi, der mutige, kleine und kluge Hund, die trotteligen Detektive Schulze und Schultze, das Genie Professor Bienlein, sowie der Schreihals und Alkoholiker Archibald Haddock.

Klischees olé

90 Jahre Tim und Struppi

Tim und seine Gefährten haben zwar stets das Gute im Sinn, doch offenbaren die Comics bis heute die kontrovers diskutierten Haltungen ihres Schöpfers Hergé. Vor allem in der Erstfassung des 1930 veröffentlichten "Tim im Kongo" ist eine rassistische Gesinnung erkennbar, wenn die afrikanischen Einwohner des damals noch dem Kolonialreich Belgiens zugehörigen Kongo als faul und geistig zurückgeblieben und mit karikierten Gesichtszügen dargestellt werden.

In "Der geheimnisvolle Stern" wiederum findet sich ein antisemitisches Klischee: ein krummnasiger, verschlagener Bankier namens Blumenstein. Hergé hatte stets Revisionen kritischer Passagen vorgenommen, berief sich stets auf das "Weltbild", das seinerzeit geherrscht habe. Besagter Band war etwa 1942 während der deutschen Besatzung Belgiens erschienen und die Nazis leiteten die Zeitung.

Doch Hergés Figuren haben auch in diesem Jahrhundert noch kulturellen und politischen Einfluss: Der Dalai Lama verlieh 2006 "Tim in Tibet" einen Preis, mit der Begründung, das von China besetzte Gebiet sei durch den Comic einem breiteren Publikum bekannt gemacht worden. Im Londoner Westend lief mit großem Erfolg eine Musicalfassung von "Tim in Tibet", und in Frankreich und Belgien wurden Briefmarken mit den Figuren neu aufgelegt.

Sendung: hr1, hr1 Koschwitz am Morgen, 10.01.2019, 6 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit